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eine Macht konsolidiert, an der die Pläne Philipps hätten später scheitern müssen. So schmiedeten sich also die Griechen die Ketten selbst, in welche sie in wenigen Jahrzehnten gefesselt werden sollten.
Die Uberrumpelung der Cadmea war die Frucht der athenischen Politik. Freilich hatten die Athener in dankbarer Erinnerung daran, dass die Thebaner trotz der Drohungen Spartas Thrasybul und seine Genossen aufgenommen hatten, den Edelmut, den thebanischen Verbannten gleichen Schutz zu gewähren; aber auf eine Unterstützung der Athener durch ein Heer durften sie nicht rechnen, da die Partei des Callistratus das UÜbergewicht hatte. Es mochte dieser Partei schon peinlich genug sein, den Verbannten Schutz angedeihen lassen zu müssen, da die Spartaner dagegen gedroht hatten. Doch hier musste der allgemeinen Entrüstung über die spartanische Gewaltthat Rechnung getragen werden; immerhin aber wäre es der lacedämonisch gesinnten Partei gelungen, den Verschworenen, welche ihrem Ziele schon so nahe waren, durch Verrat ihren Untergang zu bereiten, wenn nicht der trunkene Archias es vorgezogen hätte, ernsthafte Dinge bis auf den andern Tag zu verschieben. Eine Staatsaktion von Seiten der Athener wäre allerdings unter den damaligen Verhältnissen nicht nur unnütz, sondern sogar gefährlich gewesen, denn die Athener waren ja völlig isoliert, ihr Land stand den Spartanern offen, und zur See konnten diese die chalcidische Flotte aufbieten. Als nun aber durch den kühnen Handstreich ganz Hellas in freudiges Erstaunen gesetzt war, da hätten die Athener unter dem erhebenden Eindrucke jener That mit raschem Eifer das thun sollen, was sie erst einige Monate später thaten. Doch sie begnügten sich, als Cleombrotus sich mit einem spartanischen Heere ihrer Grenze näherte, Chabrias mit einem Observationscorps auf die Strasse von Eleutherae zu schicken, und als die Corinther sich vollständig zurückzogen, gerieten sie in solche Furcht, dass sie eiligst den Forderungen der Spartaner, ihnen für die Teilnahme ihrer beiden Feldherren Genugthuung zu geben, nachkamen und diese bestraften und zwar mit einer Härte, welche gar nicht nötig war. Man wollte sich von jedem Verdachte reinigen. Mag man nun die Worte des Plutarch im Leben des Pelopidas:»Die Athener gerieten in solche Furcht, dass sie den Thebanern alle Hilfe versagten und alle diejenigen, welche die Partei der Boeotier hielten, vor Gericht zogen, töteten, verjagten, mit Geldstrafen belegten- für übertrieben halten oder nicht, so viel erhellt daraus, dass die Gegensätze zwischen Oligarchen und Verfassungspartei sich wieder scharf zugespitzt hatten und dass die oligarchische Partei das Übergewicht erlangt hatte. Wenn man bedenkt, dass für Athen noch der günstige Umstand hinzutrat, dass Sparta jetzt von Persien zur Ausführung der antalcidischen Friedensbestimmungen in seinem Sinne keine Hilfe erwarten durfte, da Artaxerxes mit dem ägyptischen Aufstande hinlänglich zu thun hatte, und dass sich die Athener dem persischen König sogar durch Sendung eines Hilfscorps zum Danke verpflichtet hatten, so erscheint die Mattherzigkeit der athenischen Politik um so schlimmer.
Die Thebaner, welche doch mit Sicherheit auf die Hilfe der Athener gerechnet hatten, standen also nun allein. Was sollte diese verlassene Landstadt gegen Sparta ausrichten? Da trat das Ereignis ein, welches einen vollständigen Umschwung der Verhältnisse hervor brachte. Der Versuch des Sphodrias, den Piraeus zu überrumpeln, und die in Sparta erfolgte Freisprechung musste auch dem Blödesten in Athen die Augen öffnen; endlich raffte man sich auf und schloss mit Theben ein festes Bündnis. Mit grossem Eifer wurde jetzt alles gethan, was zur Vorbereitung eines Krieges nötig war; ja man ging nun endlich auch daran, den


