Aufsatz 
Productus horridus Sowerby und seine Lagerstätte. Eine paläontologisch-geologische Skizze
Entstehung
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Gehänge in Nordeuropa, wo früher arktiſche Strömungen, Eis und Kälte herrſchten, von Briozoen(Moosthierchen) und Spongien(Schwämmen) und nur wenigen einzeln lebenden Korallenpolypen bewohnt war.)

Mit der Geſtalt der Continente änderte ſich auch die Vegetation; ſo lang nur Inſeln beſtanden, mußte ſie einen inſularen Charakter tragen, erſt als ſich die Inſeln zu Continenten vereinigten, wurden Laubhölzer möglich.

Wie in der Gegenwart Thier und Pflanze in engſter Beziehung zu dem Klima und der Bodenbeſchaffenheit ſteht, ſo war es auch in längſt entſchwundenen Zeiten. Erforſcht man dieſe Beziehungen in der Gegenwart, ſo gewinnt man einen Maßſtab, nach welchem man aus den Petrefakten auch das Klima und die Bodenb eſchaf⸗ fenheit der damaligen Zeit beſtimmen kann. Zugleich unterſcheiden ſich die Orga⸗ nismen des Feſtlandes, der Flüſſe, der Süß⸗ und Brackwaſſerſeen und des Meeres ſehr weſentlich von einander. Küſte und offenes Meer, ja ſelbſt verſchie⸗ dene Meerestiefen beherbergen verſchiedenartige Thiere und Pflanzen. Vermöge deſſen läßt ſich aus den Thier⸗ und Pflanzenformen früherer Perioden beſtimmen, ob die da⸗ mals ſich bildenden Schichten auf dem feſten Lande durch Regengüſſe, an den Fluß⸗ mündungen, in Süß⸗ und Brackwaſſerſeen, an der Küſte oder im offenen Meere ab⸗ gelagert worden ſind. Doch nicht allein über den Ort, ſondern auch über die relative Zeit der Ablagerungen geben die Foſſilien Aufſchluß. Es gibt gewiſſe Formen, die nur in einer zuſammengehörenden Reihe von Bodenablagerungen in einer For⸗ mation auftreten, weder ink der vorhergehenden, noch in der nachfolgenden. Das Vorhandenſein ſolcher Foſſilien in den Schichten, an welchem Orte der Erde ſie auch entſtanden ſind, bezeichnet am beſtimmteſten die gleichzeitige Entſtehung jener Schich⸗ ten. Dieſe Formen tragen den Namen Leitfoſſilien.Freilich können dieſe Zeitbe⸗ ſtimmungen nur relative und ungefähre ſein; es kann durch ſie nur ganz allgemein die Frage: ob früher oder ſpäter, und, ſofern es ſich um die Dauer der Bildungs⸗ prozeſſe handelt, ob länger oder kürzer, nicht aber die Frage über das abſolute wann und wie lange zur Beantwortung gebracht werden.²)

Naumann charakteriſirt die Wichtigkeit der Leitfoſſilien mit den Worten: Dieſe ſchönen organiſchen Ueberreſte vertreten gewiſſermaßen die Stelle von Inſcriptionen, in welchen, wenn auch nicht Jahreszahl und Datum, ſo doch gewiſſe allgemeine Zeit⸗ beſtimmungen ausgedrückt ſind, die uns wenigſtens das relative Alter der betreffenden Schicht erkennen laſſen. Wie uns alſo puniſche, römiſche oder griechiſche Inſchriften darüber belehren, daß die betreffenden Monumente aus der Zeit der Karthager, der Griechen oder Römer ſtammen, ſo vermögen wir aus der Anweſenheit dieſer oder jener organiſchen Ueberreſte auf die geologiſche Periode zu ſchließen, in welcher die Schich⸗ ten abgeſetzt worden ſind. Daher gewinnen die paläontologiſchen Merkmale

9 Ludwig, Die Meeresſtrömungen. Naumann, Lehrbuch der Geognoſie.