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sophischen Kenntnisse vortrefflich zu statten; hier fanden sie einen frucht- baren Boden, auf dem sie im Vereine mit seiner genialen Dichterbegabung die herrlichsten Früchte zeitigen sollten. Im Drama entlehnt Schiller der Geschichte die allgemeine Situation, die Zeit und die Personen, wodurch er einen historischen Hintergrund gewinnt. In der Behandlung des historisch gegebenen Stoffes aber ist er frei, er belebt und erwärmt ihn durch die Kraft seines Genius. So weiß er für die verschiedensten Stoffe Stimmung und Kolorit zu treffen, er zeigt sich als Meister in der Technik des Dramas und in der Entwicklung der Charaktere, immer steht er gleich unüber- troffen da, gilt es nun auf das Typische Gewicht zu legen oder die Psycho- logie in den handelnden Personen zur individuellen Wahrheit zu vertiefen. Dazu hat er seine Dramen durch einen erhabenen Ideengehalt und die herrliche Sprache geadelt, die er zu einer bis dahin nie erreichten Höhe der Durchbildung erhoben hat, so daß noch heute die Sprache der Gebil- deten zum großen Teile von der Ausdrucksweise Schillers und Goethes durchtränkt erscheint. Schiller ist als Dramatiker nicht nur in der deutschen Literatur ein leuchtendes Vorbild, er hat vielmehr das deutsche Drama hoch über das anderer Völker gestellt und der Muse fremder Nationen den Vorrang streitig gemacht.
So steht denn Schiller auf der Höhe der Kunst und hat selbst in erster Linie die hehre Aufgabe erfüllt, die er dem Künstler zugewiesen. Die Kunst war es ja auch, die ihm stets neue dichterische Ideen zuführte und ihm die ungeheure Kluft überbrückte zwischen dem schönen Lande seiner erhabenen Ideale und der realen Wirklichkeit, die er um so drückender empfinden mußte, als ihn ein schweres Leiden viele Jahre quälte, das den Dulder freilich nicht zu beugen vermochte. Die hauptsächlichste Bedeutung seiner Dichtung beruht aber darauf, daß er in ihr mit hoher Kunst auch das Volkstümliche zu verbinden versteht und sie so zum Gemeingute der Nation stempelt. Schiller ist im edelsten Sinne des Wortes ein populärer Dichter geworden, er ist hinausgedrungen aus der Stube des Literaten und dem Studierzimmer des Philosophen, er hat sich im Herzen der Nation ein Denk- mal errichtet, an dem der Sturm der Zeiten nicht zu rütteln vermochte. Und so jubelt ihm das deutsche Volk heute ebenso zu wie vor hundert Jahren seine Zeitgenossen und mit Recht gestaltet sich das heutige Fest zu einem Nationalfeste der Deutschen, das sie in dankbarer Bewunderung ihres großen Dichters vereint. Immer fester werden sich die Bande knüpfen, die schon während dieser hundert Jahre Schiller und das deutsche Volk unzertrennlich verbanden, immer tiefer wird das Verständnis für den großen Dichter Wurzel fassen und die Deutschen für die erhabenen Ideale be- geistern, denen er gelebt und gesungen. Längst schon werden diese Fest- klänge verrauscht sein, Geschlecht um Geschlecht wird in der Jahrhunderte Elucht hinabsinken in das Grab der Vergessenheit,— doch Schillers großer Dichtername wird unsterblich fortleben im Munde der Deutschen und so- lange noch ein Herz schlägt, das empfänglich ist für Hohes und Schönes, wird nie verhallen seiner Leier Klang.“
Nun trug Theodor Haas, Schüler der VII.-A Klasse, Schillers Gedicht „Worte des Wahns“ vor; darauf spielten der Abiturient Guido Raimann und Karl Buchberger(aus der VII.-B Klasse) die Szene zwischen Wallenstein und Wrangel aus„Wallensteins Tod“(I, 4, 5) und der Eindruck dieser Szene verklang in dem von dem Sängerchore vorgetragenen Reiterliede, dessen Melodie Anselm Weber geschaffen hat. Aus„Don Carlos“(III, 10) hatten


