Aufsatz 
Die mitteleuropäischen Libellen : 1. Teil
Entstehung
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davon, daß sich Schiller durch seine historischen und philosophischen Studien eine neue Grundlage für sein künstlerisches Wirken geschaffen hat, ist er auch, was die Gegenwart erst zu erkennen beginnt, als Historiker und insbesondere als Philosoph an und für sich von weittragender Be- deutung. Als Historiker hat Schiller die Geschichtsschreibung in neue Bahnen gewiesen, indem er von der älteren, bloß erzählenden Art derselben abweicht und besonders auf den tiefen ethischen Wert der historischen Wissenschaft Gewicht legt, den er in seiner akademischen Antrittsrede mit unübertroffener Meisterschaft dargelegt hat. Er eilt daher über die Ereignisse hinweg, um auf die Persönlichkeiten zu kommen, die er in den Mittelpunkt der Begeben- heiten stellt und mit glänzender Gestaltungskraft charakterisiert. So schließt denn auch seine Geschichte des dreibßigjährigen Krieges mit dem Tode der wichtigsten Persönlichkeiten, Gustav Adolfs und Wallensteins, die sein ganzes Interesse fesselten, während ihm die lose gesponnenen Fäden der übrigen Erzählung nur dazu dienten, den inneren Zusammenhang des Ganzen zu vermitteln. Für den Dichter Schiller aber waren die historischen Studien von ganz besonderer Wichtigkeit, weil er durch sie einerseits seinen Blick vertiefte und so seine mangelnde Erfahrung ergänzte, anderseits aber den Stoff für seine zahlreichen Dramen schöpfte, die ja mit wenigen Ausnahmen historischer Natur sind.. 1

Als Philosoph ist Schiller durch seine Asthetik von hoher Bedeutung, die an Kant anknüpft, wie Schiller ja überhaupt ein Anhänger dieses be- rühmten Philosophen war, der zum ersten Male die menschliche Natur mit kritischem Scharfsinne zerlegt hat. Als Asthetiker wußte Schiller vor allem die kulturelle Mission der Kunst vollauf zu würdigen. Er war es, der ihre hohe Bedeutung für die Heranbildung des Menschengeschlechtes erkannte und in seinerästhetischen Erziehung des Menschen so vortrefflich nach- wies, daß sie es war, die den Menschen von Stufe zu Stufe einer höheren Entwicklung entgegengeführt hat im Genusse des Schönen.

Nur durch das Morgentor des Schönen Drangst du in der Erkenntnis Land, sagt er in seinenKünstlern; denn Wahrheit und Schönheit, Kunst und Wissenschaft sind ihm eins, sind ihm koordinierte Begriffe. Der Künstler also ist vor dem Philosophen berufen,Wahrheit und Schönheit in die Tiefen der Menschheit zu tauchen und im Genusse des Schönen den sinn- lichen Menschen zum sittlichen heranzubilden. Da aber die sittliche Voll- kommenheit und die Erkenntnis der Wahrheit die beiden großen Zielpunkte sind, denen die Menschheit im Stufengange zunehmender Bildung entgegen- geht, so ist dem Künstler als dem Vermittler dieses moralischen Ideals keine geringere Bedeutung beizumessen als die eines Vorkämpfers der Menschen- würde und darauf eben beruht die kulturelle Mission der Kunst: Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, Bewahret sie!. Sie sinkt mit euch! Mit euch wird sie sich heben!

Die Philosophie wirkte aber auch befruchtend auf Schillers Dichter- genie und so hat er seine philosophischen Ansichten in einer Reihe gedanken- tiefer Gedichte niedergelegt und besonders die Kunst des öfteren zum Gegenstande poetischer Verherrlichung gemacht..

Schiller hat also durch eine Reihe geschichtlicher und Plilosopbischar Studien hindurch den Weg zur klassischen Höhe der Poesie zurüc gelegt, auf der ihn das Drama zeigt. Hlier kamen ihm seine historischen und philo-