Aufsatz 
Die mitteleuropäischen Libellen : 1. Teil
Entstehung
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frei gegeben werde.(Erlaß des k. k. Landesschulrates vom 21. Februar 1905, Z. 1664). Um 10 Uhr versammelten sich Lehrer und Schüler in dem Zeichensaale, dessen Schmückung Professor Pazdirek geleitet hatte. Die Feier verlief in folgender Weise: Der berichtende Direktor begrüßte zu- nächst Herrn Universitätsprofessor Dr. Eduard Martinak, der zur Freude aller auf der Stätte seines früheren Wirkens erschienen war, wies sodann in kurzer Ansprache auf die Tatsachen hin, die Schiller als Erzieher charakteri- sieren und ihn auch auf diesem Gebiete als eine noch heute lebendige, wirksame Macht erscheinen lassen. Mit einem Wunsche, mitgegeben den heuer von der Anstalt scheidenden Abiturienten, schloß die Begrüßung.

Es folgte Beethovens ChorAn die Freude, gesungen von den Sängern der Anstalt, worauf der Abiturient Rudolf Schlossar folgenden von ihm verfaßten Prolog sprach.

Zum 9. Mai 1905.

Die Erde scheint ein weiter Tempelbau,

Soweit das Menschenauge schweifend blicket: Die Bäume blühn, es glänzt des Himmels Blau Und alles ist zu deinem Fest geschmücket.

Die deutschen Herzen sind von Stolz geschwellt, Es ist ein Freuen in der ganzen Welt.

Wir deutschen Knaben dürfen fröhlich wagen Vor allen andern unsern Dank zu sagen; Das Höchste, Schönste hast du uns gesungen, Das je in eines Deutschen Herz geklungen.

Du priesest jede edle Menschentugend

Und pflanztest tief sie in das Herz der Jugend.

Der deutschen Märchen stiller Zauberhort Erklang in uns mit seinem sanften Wort: Da hörten wir dein Lied gewaltig tönen. Wir standen still und sahen deine Tränen, Wie du beklagtest, daß seit vielen Tagen Ein feindlich Lo⸗ die Götter fortgetragen.

Du sangst von manchem Herzen, schön und rein, Vom Waffenklang und von des Kriegs Gefahren,

Von einer Jungfrau und von ihren Scharen,

Von süßer Freiheit neuem Morgenschein

Und von dem deutschesten der deutschen Bande Vom stolzen Drang zum schönen Vaterlande.

Wir sahen einen tapfern Jüngling fallen

Für seinen Kaiser mit seiner Reiterschar

Und stürzen einen stolzen Königsaar,

Der sich geträumt schon in der Sterne Hallen.

Und was die böhmischen Wälder nächtlich rauschen Und was sie klagen, durften wir erlauschen.

Und mächtig klang es weiter von den Saiten Von zweier Brüder fluchbeschwingtem Streiten, Von einem lieben armen Geipereinde,

Von seines Lebens Glück und seiner Sünde Und von der Freundschaft wunderbarem Triebe, Von ihrer Treue und der Menschenliebe.

So scholl dein Lied in rauschenden Akkorden

An Welschlands Meere und an Deutschlands Norden Und ließ im Glück und in bedrängten Tagen

Die deutschen Herzen wieder freier schlagen

Und hat auf deines Ruhmes reinen Wogen Veredelnd stets die weite Welt durchflogen.