Aufsatz 
Die mitteleuropäischen Libellen : 1. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Männchen oben weiß, unten schwarz, beim Weibchen schwarz, länger als beim Männchen; Flügelhäutchen schwarz. Beine schwarz. Der Hinterleib ist am Grunde schwach verdickt, dann eingeschnürt, vom sechsten Seg- ment an fast scheibenförmig erweitert,¹) behaart, beim reifen Männchen teilweise blau bestäubt(bei alten Weibchen auf der Unterseite grauweiß bestäubt), bronzeschwarz mit gelben Flecken, wie folgt: das erste Segment ungefleckt, das zweite mit einem gelben Fleck jederseits, das dritte bis fünfte am Grunde gelbfleckig, die letzten Segmente schwarz; beim Weib- chen auf dem zweiten bis fünften Segment gelbbraune, längliche Rücken- flecken, auf dem sechsten ein abgerundeter Rückenfleck, auf dem zweiten bis vierten auch gelbe Seitenflecken. Analanhänge weiß oder gelblich- weiß, beim Männchen ²) die oberen spindelförmig, zugespitzt, der untere breit, schwarz, mit stumpfer, ungeteilter Spitze(apice integro hebt CHAR- PENTIER hervor), beim Weibchen kleiner, an eine Protuberanz des Hinterleibsendes sich anlegend. Die Scheidenklappe bildet zwei kleine, längliche, parallele Blättchen, die an der Spitze ein wenig auseinander- weichen.

Abarten: CHARPENTIER bildet ein Weibchen³) ab, dessen Flügel- spitzen vom Flügelmal an rauchgrau gefärbt sind; auch SELNS4) erwähnt, daß er diese Varietät, die er var. apicalis nennt, nur bei Weibchen beobachtet hat, während ERICHSON bei Berlin auch solche Männchen ge- fangen hat. Eine Varietät aus Belgien, deren Hinterflügel keinen schwarzen Fleck haben, nennt SELYS var. immaculata.

Die Flugzeit dieser Art beginnt schon vor Ende Mai und dauert bis Mitte Juni, in anderen Gegenden sogar bis in den August.²) Man trifft sie an Torfgewässern, von denen sie sich nicht weit entfernt; sie sitzt gern auf Blättern von Seerosen und anderen Wasserpflanzen.) Sie ist über Mitteleuropa verbreitet, kommt auch in Schweden, Südfinnland und Rußland vor.

Anmerkung. In meinen Bestimmungstabellen(1895, S. 18) nannte ich die eben beschriebene Art: L. triedra MULLER, gestützt auf die Autorität H. A. HAGEN's, der von ihr sagt?):I am convinced that for caudalis CHARP. the name triedra MULLLER should be accepted. In 1850, neither Baron de SELYS nor I had studied MULILER'S work thoroughly, and I at least did not know the varieties of caudalis as well as in later times. MULLER's description(Nova acta Nat. Curios., III, p. 129) agrees entirely with all the varieties and cannot be applied to any other species. The only objection we can make against the name triedra is that we have been accustomed for fifty years to caudalis from not having studied MULLER's work. Ich habe trotzdem jetzt wieder den allgemein üblichen Namen caudalis CHARP. genommen, da ich, nach- dem ich MULLER'S Arbeit gesehen habe, nicht 8o ganz von der Gleichheit der Arten uberzeugt bin; insbesondere fällt mir auf, daß MULLER gar nichts von der Erweiterung des Hinterleibes und von dem oben weiben Pterostigma erwähnt, sondern nur sagt: puncto marginali nigro, wie es etwa Weibchen haben. Ich lasse abrigens hier, da die

.1) CHARPENTIER beschreibt(S. 90) den Hinterleib in folgender Weise: Abdomen eximio modo clavatum, ad basin enim subinflatum, in medio valde attenuatum, dein eximie incrassatum, et versus apicem deminutum, ita ut formam clavae repraesentet.

²) CHARp., 1840, Taf. 47, Fig. 16. ³) l. c. Taf. XLIV. 4) 1888, Catal., S. 134.

5) WIEDERIANN, 1891, 8. 69.

) RIS(1885) sagt S. 47:Der eigentümlich schwankende Flug, die weißblaue Hinterleibsbasis, die sich mit dem weiben Pterostigma und den ebenfalls weiben Adern in dessen Umgebung scharf gegen das dunkle Torfgewässer abhebt, machen die Caudalis zu einer der Laktaſlencloten dähd zierlichsten Erscheinungen unserer Libellenfauna.

)A Synopsis of the Odonat Genus Leucorrhinia BRITT. Transact. of the dric Entomol S0n Nol. v lee IITT. Transact. of the Americ.