Erlernung von Wörtern und Wortformen einer fremden Sprache ein Vorrat von Wissen herbeigeschafft wird, aus dem der Wunsch nach dessen Verwertung entspringt, wir können auch nicht im einzelnen darlegen, wie das intel- lektuelle Interesse den Weg ebnet, um tiefer in das Gebiet des Kunstschönen, der Sittlichkeit und der Religion ein-— zudringen. Soviel leuchtet ein, daß nur da, wo Wert— schätzung und Interesse für Wissenschaft vorhanden ist, freiwillige Aufmerksamkeit herrscht; und nur wo diese vorhanden ist, wird mit Erſolg gelernt. Wo das Interesse fehlt, fehlt auch die Aufmerksamkeit für Werke des Geistes und die Regsamkeit eifrigen Weiterstrebens. Es ist des— halb von größster Wichtigkeit, daß der Jüngling, der von der Schulbank in den Hôrsaal der Universität übergeht, dorthin starke Interessen mitbringt. Fehlen sie, so ist die akademische Freiheit, zu lernen oder auch nicht zu lernen, für ihn, den noch nicht gereiften Charakter, ein höchst verderbliches Geschenk.—
Mit Recht mißt man an der Zahl und Stärke der Interessen, die nicht nur dem verstandesmäßigen Wissen, sondern auch der Kunst, der Politik, der Religion zuge-— wendet sind, den geistigen Wert eines Menschen. Er ist noch nicht hoch gestiegen, wenn er nur wenige und schwache Interessen besitzt; er ist gesunken, wenn Blasiert— heit seine Interessen zerstért hat.
Nun sind beim Kinde naturgemâß die Interessen weder zahlreich noch stark und können daher die zum geistigen Arbeiten erforderliche Aufmerksamkeit weder auf allen Gebieten des Schulunterrichts noch in der notwen-— digen Dauer erzeugen. Es muß daher die Erziehung danach streben, den Willen zur Aufmerksamkeit zu stärken, damit es dem jugendlichen Geiste gelingt, un- gestört von ablenkenden Einflüssen, die Vorstellungsreihe, die er auffassen soll, mitdenkend bis zu Ende zu ver-— folgen. Der Geist eines Kindes ist von Natur unstät. Sobald es einen Gegenstand erblickt, in dem es eine


