Aufsatz 
Über Wesen und Förderung der Aufmerksamkeit
Entstehung
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Das Interesse des Kindes für die Bedeutung, die Ur- sachen und Wirkungen der Dinge und Erscheinungen zeigt sich natürlich zuerst in der Familie, und hier soll es sorg fältig gepflegt und gekräftigt werden. Die Fragen der Kinder dürfen nicht als unnützes Geschwätz kurz abge- wiesen werden, sondern die Eltern müssen durch freund- liches Entgegenkommen dem Kinde zeigen, daß sie für den Gang seiner Gedanken Teilnahme haben. Nur so kann der angeborene Forschertrieb sich entwickeln. Aller- dings lassen sich nicht alle Fragen eines Kindes in einer seiner Fassungskraft entsprechenden Form beantworten, aber oft ist es mõöglich, und dann müssen die Eltern dem Kinde gern die gewünschte Aufklärung geben. Die Natur bietet dem beobachtenden Kinde so viele Erscheinungen, deren Ursache und Wesen nicht sotort erkennbar sind, daß sich ihm unaufhörlich Fragen aufdrängen. Es fragt: Warum wallt das Wasser, wenn es erhitzt wird? warum ist es im Winter kalt? warum weht ein starker Wind? warum ist der Mond heute so schmal? Solche und un- zählige ähnliche Fragen entstehen ungesucht durch die Empfindung des Augenblicks, und gerade in diesem Augen- blicke ruht auf ihnen ein starkes Interesse des Fragenden. Die Beantwortung der Frage erzeugt Befriedigung und macht dem Kinde Lust zu weiterem Denken und Forschen.

Hieraus ergibt sich, daß die Eltern das Kind schon in frühen Jahren geistig fördern können, indem sie freund- lich auf seine Fragen eingehen, dadurch sein Interesse für die Erkenntnis der umgebenden Natur stärken und es zur Aufmerksamkeit bei Belehrungen anleiten. Aus einer ge- bildeten Familie, wo die Eltern sich viel und gern mit ihren Kindern beschaäftigen, auf ihre Fragen eingehend antworten, beim Empfang von Briefen oder beim Lesen von Unterhaltungsschriften manche gelegentliche Belehrung einfließen lassen, erhält die Schule Zöglinge, deren geistige Regsamkeit entwickelt und zu dauernder Aufmerksamkeit gut vorbereitet ist. Wo das alles fehlt, in Häusern, wo