Aufsatz 
Über Wesen und Förderung der Aufmerksamkeit
Entstehung
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vermeiden und mit angemessener Lebhaftigkeit dem Schüler das richtige Maß neuer Vorstellungen darbieten.

Neben der Lebhaftigkeit ist aber ein anderes Mittel der Anregung beim Unterricht unentbehrlich, das ist die Abwechselung. Der Vortrag des Lehrers darf nie die ganze Stunde ausfüllen diese Lehrweise hat nur auf der Universität ihre Berechtigung, er muß unterbrochen werden durch Fragen, die das Verständnis des Vorge- tragenen sicherzustellen geeignet sind, und muß abwechseln mit Wiederholungen, die der Befestigung des Gelehrten im Geiste des Schülers dienen. Die Selbsttätigkeit des Schülers ist es, die nach der ermüdenden Wirkung des bloßen Zu hörens seiner Aufmerksamkeit neue Spannkraft verleiht. Wenn der Schüler, straff stehend, von dem Gehörten Rechenschaft ablegt, wenn er, seine eigene Urteilskraft anwendend, mit lauter Stimme spricht, so muß sein Geist sich ganz und ungeteilt dem Gegenstande des Unterrichts zuwenden, und seine Aufmerksamkeit dauert fort, wenn einer seiner Mitschäüler zu weiterer Entwickelung der Ge- danken aufgerufen wird. Außerdem muß der Lehrer, nach- dem ein Schüler eine UÜbersetzung beendet oder einen Vor- gang zu erklären versucht hat, an die ganze Klasse die Frage richten, ob nicht Fehler zu verbessern seien Hier- durch werden alle Schüler zum geistigen Mitarbeiten ge- zwungen.

Es ist aber eine psychologische Erfahrung, daß die auf Grund eines gegenwärtigen Sinnenreizes gebildeten Wahrnehmungen deutlicher und kräftiger sind als die durch geistige Tätigkeit in unserm Innern erzeugten Vor stellungen. Die moderne Lehrkunst macht sich diese Er- kenntnis in ausgiebigster Weise zu nutze, indem sie zur Erhaltung und Erhöhung der Aufmerksamkeit und zur Er- leichterung der Auffassung neben dem gesprochenen Wort, wo es irgend möõglich ist, die Anschauung zu Hilfe nimmt. Es gibt heute keinen Zweig des Unterrichts, der sich nicht der Anschauungsmittel in reichem Matße bediente