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Außerdem weiß jeder Schüler aus Erfahrung, daß von ihm nie während der ganzen Lehrstunde scharf ge- spannte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die Ausführung einer Zeichnung an der Wandtafel, verkehrte Antworten eines Mitschülers, die zum Lachen reizen, und andere Vorkommnisse bringen Erleichterung und Erfrischung.
Störungen der Aufmerksamkeit entspringen aber nicht nur körperlichen Zuständen des Lernenden, sondern in noch höherem Grade der Verminderung seiner geistigen Empfänglichkeit. Durch die Einflüsse des unendlich zu-— sammengesetzten und überaus hastigen modernen Kultur-— lebens, namentlich in den großen Städten, wird den Er-— wachsenen die Zahl der Stunden stiller Sammlung sehr beschränkt, und noch mehr wird in das Seelenleben des heranwachsenden Geschlechts eine starke Unruhe hinein- getragen. Immer mehr steigert sich die Schnelligkeit der Fortbewegung beim Reisen und beim Verkehr in den Straßen der Städte, immer massenhafter strömen die Meldungen von Unglücksfällen auf der ganzen Erde oder von auf- regenden Prozessen herbei, immer mehr werden die Autf- führungen im Zirkus auf heftige Erregung der Nerven be- rechnet; selbst in den musikalischen Kunstschöpfungen wird die gesunde Kraſftfülle nicht selten zu einem Uber- maß der Tonwirkungen gesteigert. Da ist es nicht zu verwundern, daß die heranwachsende Jugend, durch die große Fülle starker Eindrücke abgestumpft und nach fort- währendem Wechsel verlangend, an dem ruhigen, lang- samen Gange des Unterrichts keinen Geschmack findet und ernsten mathematischen oder sprachlichen Erörterungen ausdauernde Aufmerksamkeit zuzuwenden kaum imstande ist. Für die Jugend, auf die eine zu große Menge wechseln- der Reize und Eindrücke leicht verwirrend und schwächend wirkt, ist eine ruhige Umgebung wohltätig; sie fördert die Aufmerksamknit auf den Gang des Unterrichts und ver-— leiht dem Denken Stetigkeit und Kraft. Der Umstand, daß ein Kritiker wie Lessing seine Jugend in dem stillen


