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Nicht weniger gefährliche Feinde andauernder Auf- merksamkeit sind die im Menschen selbst liegenden Be- wegungstriebe. Beim kleinen Kinde äußert sich jede ge- ringe Veränderung des körperlichen Befindens durch un- willkürliche Bewegungen. Kopf, Hände und Beine nur eine Minute ruhig zu halten, ist ihm fast unmõglich, denn es fehlt ihm an Kraft, jene Antriebe zu hemmen. Es ist eine schwere Aufgabe, Kinder im ersten Schuljahr durch Befehl und Überwachung zum Stillsitzen zu bringen und sie allmählich zu der hierzu nötigen Selbstbeherrschung zu erziehen. Die UÜbungen hierin müssen anfangs kurz sein, da sonst die Spannung der zurückgedrängten Vor-— stellungen und Triebe, der Wunsch nach frôhlichem Plau-— dern mit dem Nachbar, das Bedürfnis nach freier Be- wegung der Glieder, zu sehr anwachsen und den Gehorsam gegen den Ruhe gebietenden Lehrer durchbrechen. Ein kurzer Befehl, aufzustehen und einige Bewegungen zu machen, muß hier rechtzeitig dem Verlangen des Kindes entgegenkommen und die Bedingung für ruhige Aufmerk- samkeit wiederherstellen. Auch bei erwachsenen Schülern äußert sich der Bewegungstrieb während des Unterrichts immer von neuem: es wird mit den Beinen gebaumelt, mit der Feder gespielt, mit einem Taschenmesser der Schultisch zerschnitten. Solche Tätigkeiten, die das Auf- merken unmöglich machen, müssen durch energisches Ein- schreiten unterdrückt werden.
Dagegen kommt die Schule dem Bedürfnis nach Er- holung von der geistigen Anstrengung und nach freier Bewegung dadurch entgegen, daß sie zwischen die Unter- richtsstunden Pausen einschiebt. Alle Schüler verlassen z. B. während der vier Pausen des Vormittags, die zu— sammen fünfzig Minuten dauern, ihre Klassen, machen sich durch Umhergehen oder durch munteres Spielen im Schul- hofe die nétige Bewegung, atmen die reine Luft und kehren erfrischt und zu neuer Aufmerksamkeit befähigt in die Klassen zurück.


