Aufsatz 
Über Wesen und Förderung der Aufmerksamkeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

II. Herbeiführung günstiger Bedingungen für das Aufmerksamsein.

I. Fernhaltung von Störungen.

Die Ursachen, durch die der menschliche Geist dazu verlockt wird, die gerade Bahn eng miteinander verbundener Gedanken zu verlassen und zu seitwärts liegenden Vor- stellungen abzuschweifen, sind, wie wir gefunden haben, von zweierlei Art: sie entspringen entweder aus einem von außen kommenden Sinnenreiz oder aus dem inneren Zu stande des denkenden Subjekts. Solche Stérungen der Aufmerksamkeit zu bekämpfen und zu beseitigen ist die erste Aufgabe des Erziehers.

Auf die Seele des Kindes üben, wie bekannt, sinn- liche Reize einen sehr großen Einfluß aus. Daher müssen während des Lernens alle diejenigen Eindrücke fernge- halten werden, die den jugendlichen Geist von dem Ge- dankengange des Unterrichts abzuziehen geeignet sind. Die Schule kommt dieser Forderung nach durch die ein- fache Ausstattung der Klassenzimmer, wo kein Spiegel mit seinen wechselnden Reflexen, kein Olgemälde mit lebensvollen Szenen, keine Vase, gefüllt mit buntfarbigen Blumen, das Auge auf sich zieht, sondern nur die dem Unterrichte dienenden Anschauungsmittel sich dem Blicke darbieten. Auch das Ohr wird während der Unterrichts- stunde nur durch das Wort des Lehrers oder durch die Antwort des gefragten Schülers beschäftigt. Kein störendes Gerâusch wird in der Klasse geduldet; auch von außen kommende Töne werden, soviel wie möglich, fern ge- halten; sollten aber doch einmal die Weisen eines Militär- marsches beim Vorüberziehen eines Bataillons in den Vor- trag des Lehrers hineinschallen, so tut dieser besser, den Unterricht auf kurze Zeit zu unterbrechen, als den Ver- such zu machen, die Gedanken der jungen Schar, den lockenden Klängen zum Trotz, bei der Beschaäftigung mit dem griechischen Verbum festzuhalten.