Aufsatz 
Über Wesen und Förderung der Aufmerksamkeit
Entstehung
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Empfindungen werden zurückgedrängt. Der eine Eindruck wird mit Bewußtsein erfaßt Das Kind hat die Stimme als die der Mutter erkannt. In beiden Fällen hat es die Zerstreutheit von sich abgeschüttelt, es ist vorübergehend aufmerksam geworden.

Diese Art der Aufmerksamkeit hat das Eigentüm- liche, daß sie ohne eigene Bemühung nur durch die Wir- kung eines überwiegend starken, von Gefühlen begleiteten Sinneneindrucks hervorgerufen worden ist. Wir nennen sie daher in Übereinstimmung mit den meisten Psychologen die unwillkürliche Aufmerksamkeit. Sie ist also keine selbständige Tätigkeit, sondern ein nach den Gesetzen des Seelenlebens durch einen starken Reiz, ohne unser Zutun hervorgerufener Zustand des bewußten deutlichen Wahr- nehmens Diese unwillkürliche Aufmerksamkeit ist als Anfang und Grundlage der Geistesentwickelung für uns von höchster Bedeutung. Der Erzieher muß diese von der Natur der Seele gegebene, unbeabsichtigte, sinnlich- flüchtige Aufmerksamkeit benutzen, um sie zu einer ge- wollten, geistig-beharrlichen Aufmerksamkeit auszubilden.

Wir wollen jetzt versuchen, in Kürze anzudeuten, wie sich neuere Forscher, W. Wundt, H. Ebbinghaus, E. Dürr, die körperlichen und seelischen Vorgänge denken, durch deren Zusammenwirken klarbewußtte, deutliche Wahr- nehmungen eptstehen. In den Zellen der Sinnesorgane, z. B. auf der Netzhaut des Auges, werden durch von außen kommende Reize Veränderungen hervorgerufen. Diese werden auf Nervenbahnen bis-zu den Zellen der Großhirn- rinde geleitet. Da aber die Nervenleitungen nicht aus ein- fachen Strängen bestehen, sondern durch viele Querver- bindungen zu einem vielfach verzweigten Ganzen zusammen- gefügt sind, so können die von außen kommenden Er- regungen seitwärts ausstrahlen, so daß sie als eine un- geordnete, nicht scharf begrenzte Masse in der Hirnrinde ankommen. So entstehen verschwommene, undeutliche Erregungskomplexe. Wenn aber gleichartige Erregungs-