Aufsatz 
Über Wesen und Förderung der Aufmerksamkeit
Entstehung
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sei es gestattet, sie an dieser Stelle zum Gegenstande der Betrachtung zu machen.

Wenn es einem Lehrer gelänge, alle seine Schüler ausnahmslos und immer bei voller Aufmerksamkeit zu er halten, so würde keines seiner Worte verloren gehen, jede dem Bildungsstande der Klasse angemessene Beweisführung würde verstanden werden, und die Fortschritte würden so erstaunliche sein, daßz die Lernzeit auf ein geringes Maß herabgesetzt werden könnte. Jedoch die Lösung dieser Aufgabe ist noch niemals vollständig gelungen und wird nie ganz gelingen, denn im Hintergrund der Seele jedes Menschen lauert ein Feind der Aufmerksamkeit, der, tausendmal besiegt und tausendmal in die Flucht ge schlagen, doch immer noch Kraft behält, um das Schlacht- feld zeitweise wieder zu betreten und einige Zeit zu be- haupten. Dieser Feind ist die Zerstreutheit.

Von diesen Rivalen auf dem Gebiete des Seelen- léebens, die sich gegenseitig das Feld streitig machen, müssen wir zuerst die Zerstreutheit betrachten Dieses Vorrecht gewinnt sie dadurch, daß sie die frühere und ursprünglich einzige Beherrscherin der Seele ist, deren flerrschaft erst später durch einen Neuling angefochten und in engere Grenzen zurückgedrängt worden ist.

Sowie unser Auge nur einen kleinen Kreis von Gegenständen, nämlich diejenigen, die sich ungefähr in der Mitte unsrer Netzhaut abbilden, mit voller Deutlich- keit wahrnehmen kann, während die der Peripherie näher liegenden Bilder nur verschwommen erscheinen, ebenso kann unser Geist in derselben Zeit nur eine ganz kleine Zahl eng mit einander verbundener Vorstellungen deutlich erfassen sie, wie man sagt, im Blickpunkte des Bewußt seins ſesthalten. Es ist nicht möglich, zu derselben Zeit eine Melodie genau zu verfolgen und eine Rechenaufgabe zu lösen. Nun dringen aber ganz verschiedenartige Sinnen- reize, die auf den Nervenbahnen die Eindrücke der Außen- welt unserem Geiste zuführen, fortwährend gleichzeitig