Aufsatz 
Lehrplan und Methode für den Zeichenunterricht : Erste und zweite Stufe / dargest. von Friedr. Schürmann
Entstehung
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2) die Mittel und Wege angeben, das erkannte Falsche in das Richtige zu verändern durch Verbessern, Reinigen, Nachfcilen etc.

Nur selten darf die corrigierende Hand des Lehrers eingreifen und wenn es geschieht, dann nur als Technik lehrend, niemals darstellend.

Der Schüler gelangt so zum Bewusstsein seiner eigenen Kraft und ist seine Arbeit alsdann auch als völlige Schülerarbeit zu würdigen.

Ueber die Grösse der Zeichnung muss zunächst gesagt werden, dass es nicht immer nötig ist, die Zeichnung in der Grösse des Originals darzustellen. Beim Zeichnen nach Wandtafeln oder nach körperlichen Modellen wird schon ein Verkleinern von selbst geboten; Vorlegeblätter jedoch müssen stets in gleicher Grösse kopiert werden, während Linienzeich- nungen auch wohl vergrössert werden dürfen, besonders wenn der Schüler nach Skizzen arbeitet. Jedenfalls ist ein Verkleinern eines grösseren Vorbildes zweckmässiger als das Vergrössern eines kleineren.

Aus diesen Gründen muss der Lehrer stets darauf bedacht sein, den Schülern Vorlagen in passender Grösse zu geben und durchaus nicht dulden, dass der Schüler nutzlos seine Zeit damit verbringt, Idelae Vorlagen, wie sie der Markt in Hülle und Fülle bietet, zu kopieren. Blätter in Oktav- oder Quartformat sind selten geeignet, indem eine klare, deut- liche Zeichnung, nach deren Technik sich der Schüler bilden soll, in der Regel Folioformat erfordert. Zu verwerfen ist daher Hermes Zeichenschule in Oktav und eine ganze Reihe ähnlicher Fabrikate.

Der Gebrauch von Hälſslinien, Quadratnetzen, Proportionalitäts- und Symmetrielinien ist stets zu empfehlen, so lange der Schüler noch nicht im Stande ist, ohne diese Linien die Zeichnung so zu entwerfen, dass die einzelnen Teile in Bezug auf Höhe, Breite, Lage zu einander etc., genau mit dem Originale übereinstimmen. Die Anwendung von Hilfslinien sollte streng genommen nur so weit geduldet werden, als dieselben aus dem Wesen des Ob- jektes organisch hervorgehen. Der Gebrauch von Quadratnetzen ist Neniger zu verteidigen, aber bei Benutzung recht erfolgreich.(Siehe Methode der Stigmographie.) Die Symme- krielinie darf niemals vernachlässigt werden, wenn nicht der Lehrer GFefalhr laufen will, dass der Schüler statt der beabsichtigten symmetrischen eine ametrische Figur, d. h. eine solche, in welcher keine Spur von Ebenmass oder Gleichmässigkeit vorhanden ist, hervorbringt. Mit der Symmetrielinie können noch verschiedene Proportionalitätslinien verbunden werden, und so zerlegt sich dann die Figur zunächst durch die erstere Linie in zwei gleiche Hälften, in welchen die entsprechenden Punkte gleiche Entfernung von der Symmetrielinie haben und sodann durch letztere Linien in gewisse Teile, welche ein bestimmtes Verhältniss ihrer Höhen haben.

§. 6. Verschiedene Methoden des Zeichenunterrichts.

Obgleich Herder sagt:Jeder Lehrer muss seine eigene Methode haben; er muss sie sich mit Verstand erschaffen haben, sonst frommt er nicht.(Philosophie 10. 254), so ist doch nicht zu leugnen, dass nicht alle Methoden, welche aufgestellt worden sind, in Faisher Zeit und mit gleicher Sicherheit zum Ziele führen. Für die ersten Anfänge des Zeichen- unterrichts hat sich im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Methoden eingebürgert; keine derselben hat sich aber lange behauptet oder sich einer allgemeinen Annahme zu erfreuen gehabt, aber meist alle kommen dahin überein, sämmtliche Schüler auf den ersten Stufen nach einem Vorbilde zu unterrichten, d. h. den Massenunterricht zu empfehlen.

1. Pestalozzi(geb. 12. Jan. 1746 zu Zürich, gest. 17. Feb. 1827 zu Brugg im Argau) gab der neueren Pädagogik eine Richtung, welche sich auch auf den Zeichenunter- richt erstrecken musste, mden jet⸗derer bis zur sinnlosen Bildermacherei zurückgesunken war. Pestalozzi's Aussprüche, dass jeder im Volke zeichnen lernen und dass alle Erkennt- niss von der Anschauung ausgehen müsse, bewirkte eine Regeneration des Zeichenunter- richts und dessen Einführung in die Schule. Pestalozzi's Methode verlangte Massenunter-