Aufsatz 
Lehrplan und Methode für den Zeichenunterricht : Erste und zweite Stufe / dargest. von Friedr. Schürmann
Entstehung
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2.

kann nicht umhin, zu erwähnen, von welchem grossen Einflusse ein zweckmässiger Anfang in diesem Unterrichtszweige ist und wie jede weitere Entwickelung in diesem Fache von einem solchen abhängig ist.

§. 2. Zweck und Ziel des Zeichenunterrichts.

Nach dem Vorigen ist die Aufgabe des Zeichenunterrichts die Darstellung der vollen- deten Kunstform. So weit sich der Unterricht in der Zeichenkunst auf das Gebiet der Schule erstreckt, kann natürlich nur von einer Uebung in den elementaren Voraussetzungen derselben die Rede sein. Diese Uebungen wollen wir, methodisch geregelt, erteilt und be- stimmt von dem unterweisenden Lehrer und dem darzustellenden Objekte, ausgeführt durch den Verstand und die Hand des Schülers, Zeichenunterricht nennen. Derselbe nimmt An- teil an der Ausbildung des Menschengeistes, da es besonders geistige Thätigkeiten, nämlich das Beobachten, das Erkennen und das Urteilen, sowie das Vorstellen sind, die zunächst und besonders gebildet werden müssen.

Das fortgesetzte Beobachten erzielt Sicherheit des Blickes und des Augenmasses und führt zum Verständniss der beobachteten Form. Dem Erkennen oder Auffassen kann erst ein richtiges Urteil über eine schöne Form, eine harmonische Farbengebung oder über stilgerechte Anordnung und Gruppierung nachfolgen. Das Vorstellen endlich, wenn die Vor- ellung selbst bis zur möglichen Klarheit gelangt ist, ermöglicht sodann eine getreue Dar- stellung.

In Bezug auf den Geschmach, welcher durch den Zeichenunterricht veredelt werden soll, kann man behaupten, dass eine Bildung desselben am meisten oder fast nur unter dem Einflusse des Lehrers erzielt werden kann und zwar:

1. Durch die Kritik, welche der Lehrer übt, wenn er das Objekt mit dem Bilde ver- gleicht und dadurch den Schüler zur eigenen Kritik anleitet,

2. Durch die Wahl der Objelte, indem der Lehrer dem Schüler nur wirklich ge- schmackvolle und mustergültige Objekte vorlegt und ihm die denselben inneliegenden Gesetze der Schönheit zum Bewusstsein bringt.

3. Endlich durch das Streben nach dem Vollkommenen. Die Anregung und Begeiste- rung für das Objekt, für den Zeichenunterricht und die Zeichnung, welche der Lehrer er- wecken muss und auch sehr leicht kann, kann den Schüler bis zur höchsten Anstrengung seiner Begabung, bis zur immer weiteren Vollendung im Zeichnen führen.

Die Hauptaufgabe des Zeichenunterrichts ist, das Darstellungsvermögen zu entawickeln, wenngleich auch nicht bis zu einem Talente, das schon eine gewisse Begabung für die Kunst voraussetzt und desshalb nur in geringen Fällen erzielt werden kann. Dabei ist es zunächst

1. die Fertigkeit und Leichtigkeit der Hand, mit deren Hülfe nach den klaren Vor- stellungen die exakten Arbeiten nur ausgeführt werden können; die bildende Hand des Schülers muss zu einer völligen Herrschaft über das Material gelangen, damit sie selbst willig der Erkenntniss folgen Frann. Ob dabei diese Darstellungen stets malerisch sind, ist am Ende einerlei; dass sie aber correct gearbeitet sind, muss unbedingt verlangt werden. Dass Obiges, wie schon erwähnt, den fertigen Gebrauch von den Zeichenutensilien, als Blei- stift, Kreide, Farbe, Lineal etc. voraussetzt, versteht sich von selbst und muss daher als Schwerpunkt, besonders des beginnenden Unterrichts, angesehen werden, jene Gegenstände auf das zweckmässigste zu handhaben. Es können und müssen sogar Uebungen, auf welche wir später zurückkommen, dieserhalb angestellt werden.

. Sodann 2 die Ausbildang des Auges. Die geistbildende Kraft des Auges entwickelt sich besonders durch das Bestreben des Auges, den Gegenstand richtig zu schen, d. h. die Lage, die Grössenverhältnisse, die Symmetrie, Farbe etc. richtig zu beurteilen. Dabei spielt das Augenmass, das ist die Kraft des Auges, vermöge deren es nicht allein im Stande ist, die Massverhältnisse in der Natur abzuschätzen und zu vergleichen, sondern auch die

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