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Münſterappeler Fiſchſchiefer vor uns haben. Vor kurzem habe ich von dieſem Platze einen gut erhaltenen Abdruck eines foſſilen Fiſches erhalten. Es iſt ein glattſchuppiger Palaeoniscus, welchen ich für identiſch mit Palaeoniscus tenuicauda Tr. halte, den Troſchel aus den Schiefern von Winterburg be⸗ ſchrieb.] E. Weiß hat nachgewieſen, wie nahe dieſe Form dem Palaeoniscus vratislaviensis Ag. aus dem böhmiſchen Rotliegenden ſteht, was für die geologiſche Stellung unſerer Schiefer beachtenswert iſt.
Auch bei Mörsfeld finden wir mehrere, durch früheren Bergbau auf OQuöeckiilber entſtandene, gute Aufſchlüſſe. Nördlich von Mörsfeld, unmittelbar an der bayeriſch⸗heſſiſchen Grenze entlang, zieht ſich von Nord nach Süd, in ſeiner Richtung ſenkrecht auf die Straße Mörsfeld⸗Wendelsheim ſtoßend, ein tiefer Waſſerriß, das ſogenannte Pfaffenloch. Darin liegt dicht an der Straße die ſogenannte Tauſendthalerhalde. Das ſie zuſammenſetzende Material beſteht hauptſächlich aus dunklen, dünn⸗ blätterigen, thonigen, manchmal auch etwas kohligen Schiefern. Sie ſind untermiſcht mit feſten Sandſteinplatten, Melaphyrbrocken und den Stücken eines eigentümlich grauen, mit hellfarbigen, parallelen Bändern durchzogenen, jaspisartigen Geſteines. Vermutlich ſind organiſche Reſte die Ur⸗ ſache der dunklen Farben bei den Schiefern. Da dieſe aber durch atmoſphäriſche Einflüſſe ſchon ſtark zerſetzt ſind, ſo läßt ſich nichts Beſtimmtes über organiſche Einſchlüſſe in ihnen ſagen. Etwa 100 Schritte von hier, in nordweſtlicher Richtung, entſtrömt dem Boden eine ſtarke Quelle an der Stelle, wo ſich früher die Mündung eines jetzt zuſammengeſtürzten Stollens befand. Das Material, aus dem die Tauſendthalerhalde beſteht, iſt aus dieſem Stollen zu Tage gefördert worden. Es iſt wichtig, zu be⸗ merken, daß die Wände des hier angeführten Thalriſſes aus Melaphyr beſtehen, der ſich, wie unſere Karte zeigt, in ſüdlicher Richtung bis Mörsfeld, in nördlicher aber über die heſſiſche Grenze hinweg, bis in den„Jungenwald“, der Gemeinde Stein⸗Bockenheim gehörig, erſtreckt. In dem„Jungenwalde“ liegen ebenfalls verſchiedene Halden des ehemaligen Mörsfelder Queckſilberbergwerkes. Sie rühren von den beiden Waldgruben:„Karl Theodor“ und„Eliſabeth Auguſte“ her, die ſich im genannten Jungenwalde befanden. Dieſe Halden beſtehen aus demſelben Geſtein, wie ſie unten im Thale auf der Tauſendthalerhalde liegen. Intereſſant iſt nun, daß Collini, der 1774 die Mörsfelder Queck⸗ ſilberbergwerke im Auftrage des Kurfürſten von der Pfalz beſuchte, in ſeinem über dieſe Reiſe heraus⸗ gegebenen Tagebuche' auch weißer Kalkſteine unter den Gangarten des Mörsfelder Bergwerkes erwähnt. Daß in den Schiefern dieſer Halden auch Fiſchabdrücke vorkamen, wird uns durch eine weitere Notiz aus dem Tagebuche Collinis bezeugt. Dieſelbe lautet:„Nahe bei Mörſchfeld in den Queckſilberbergwerken Münſterappell und Steinbockenheim(unter den letzteren ſind die Gruben im Jungenwalde gemeint) trift man eine Seltenheit an, davon ich weiter kein Beiſpiel weiß. Es ſind queckſilberartig verſteinerte Fiſche. Sie liegen in einem ſchwärzlichen Schiefer und ſind von Flecken und Pünktchen von rothem Queckſilbererz durchdrungen. Man kann bisweilen ganz ihren Körper von ſeiner Matrix abſondern. Sie ſind ſo dünn, daß ſie die Stärke des Papieres oder einer ſchwachen Pappe nicht übertreffen. Sie ſind aber
¹ Troſchel, F. H. Üüber neue foſſile Fiſche von Winterburg(balaeonisci sp.). Verh. d. naturh. Vereins. Jahrg. 8. 1851. S. 518— 542. Mit 6 Tafeln.
² Ch. E. Weiß. Leitfiſche des Rotliegenden in den Lebacher und äquivalenten Schichten des Saarbrückiſch⸗ Pfälziſchen Kohlengebirges. Zeitſchr. d. d. geol. Geſ. Bd. 16, S. 272— 302.
³ Collini, C., Journal d'un voyage qui contient différentes observations minéralogues, particulièrement sur les Agates et le Basalte. Mannheim 1776. Aus d. Franz. überſ. u. mit Anmerk. begleitet von J. S. Schröter. Mannheim 1777.


