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zu begründen versucht, so dient der deutsche Unterricht in kraftvoller direkter Weise der Erweckung echten vaterländischen Sinnes, wofür indirekt auch alle anderen Fächer zu arbeiten haben.
Schlielslich ist der Ausbildung des Körpers weit gröſsere Sorgfalt zugewendet und eine reichlichere Zeit zu Gebote gestellt worden, und nicht in trocken-einseitiger Weise und nicht blols in der staubigen Luft des geschlossenen Raumes wird sie erstrebt, sondern in mannigfaltigen Formen voll frischen Lebens und frohen Anschlusses an die freie Natur soll sie gepflegt werden.
So hat das Gymnasium in seiner heutigen Gestalt seine bestimmte Richtung auf eine zugleich geistig und sittlich ausgeklärte wie praktisch brauchbare harmonische Gesamtbildung. Daſs es von allen denkbaren Schulformen ein für allemal das unanfechtbar beste Instrument zur Bereitung der Jugendseele wäre, wer könnte vermessen genug sein, dies behaupten zu wollen; aber ein gutes und wirksames Instrument ist es sicher. Es kommt nur auf seine sachgemälse und würdige Handhabung an; und dazu haben drei Mächte das Ihre zu tun: die Lehrer, die Schüler und die Eltern.
Beim Lehrer muſs zuerst und vor allem Klarheit des Zieles seiner Berufsarbeit herrschen. Das Ziel aber dürfte sich nach den bisherigen Ausführungen in dem Satze zusammenschlieſsen lassen: Non scholae, sed vitae docemus: Nicht für die Schule, sondern für das Leben lehren wir; nicht etwa in dem platten Nützlichkeitssinne, daſs was heute in der Schule gelernt wird, morgen als Kaufgroschen auf dem Markte des Lebens ausgegeben werden könnte. Solch öde Banausenauffassung, wie sie heute oft laut wird, pleibe uns fern; wohl aber in dem Sinne, daſs nichts gelehrt wird, was nicht irgend wie beiträgt zum Aufbau eines tüchtigen und im Kampfe des Lebens wehrhaften Menschentums. Dals aber das Menschentum, das wir deutschen Lehrer heranzubilden haben, echt deutsch sein mufs, dals uns deutschen Lehrern des deutschen Vaterlandes Wohlfahrt über alle Parteiinteressen gehen mulfs, das ist beinahe zu selbst- verständlich, um noch weiterer Betonung zu bedürfen.
Zur Klarheit über das Ziel hat sich die Klarheit über die Mittel zu diesem Ziele zu gesellen. Und da ist das Wichtigste, daſs der Lehrer es versteht, aus der Fülle des Stoffes das Wesentliche herauszufinden, es in kräftiger Gestaltung herauszuarbeiten und es in geistiges Eigentum der Schüler zu verwandeln. Dazu gehört die Kenntnis und bewuſste Anwendung der auf psychologischer Grundlage beruhenden Methode, die gerade im verflossenen Jahrhundert eine so feine Ausbildung erfahren hat. Die Unterrichtsweise ist aber um so wirkungsvoller, je anschaulicher sie ist. So mag denn der groſse Begriff: Anschauung, der im Mittelpunkte der gesamten neuzeitlichen Erziehungslehre steht, dem alle groſsen Pädagogen von Ratichius und Comenius an bis Pestalozzi und Herbart, jeder in seiner Art und Auffassung, gehuldigt haben, überall auch über unserer Unterrichtsarbeit als ein Leitstern leuchten!
Wichtiger aber noch als die Methode ist die Persönlichkeit des Lehrers für den Erfolg der Schule. Denn nicht bloſs Unterrichter, sondern auch Erzieher soll der Lehrer sein, wenn auch die Hauptaufgabe der Erziehung naturgemäſs dem Elternhause zufällt und ihm niemals abgenommen werden darf. Soll aber der Lehrer eine erzieherische Macht sein, so hat er die Vorzüge zu bewühren, die ihm das Gemüt des Schülers gewinnen und ihm wirksamen Einfluls auf dessen Entwicklung sichern. Man hat wohl darüber gestritten, welches die Haupttugend des Lehrers sein müsse, Gerechtigkeit oder Liebe zur Jugend. Würde ich zu einer Ent-


