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Gräuel von dem edlen Kurfürſten Carl Ludwig gefordert wurde und ablehnte mit den höhnenden Worten:„Un Maréchal de France ne se bat qu'à la téte de trente mille hommes.“
Anderwärts war es übrigens nicht viel beſſer. Es wird erzählt, daß Guſtav Adolph dem Unfug geſteuert habe, indem er zwei Offizieren das Duell zwar geſtattete, jedoch den Scharfrichter beorderte, den Ueberlebenden hinzurichten.
Sehr bezeichnend für den fürſtlichen Unwillen gegen den Duellunfug iſt ein öfter citirter Erlaß des Kaiſers Joſeph vom Jahre 1771, veranlaßt durch mehrere vorangegangene beklagenswerthe Duelle und gerichtet an einen General der Armee. Derſelbe lautet:
„Herr General! Den Grafen von K. und den Hauptmann W. ſchicken Sie ſogleich in Arreſt. Der Graf iſt jung, aufbrauſend und von ſeiner Geburt und falſchen Ehrbegriffen eingenommen. Hauptmann W. iſt ein alter Kriegsknecht, der jede Sache mit dem Degen und den Piſtolen berich⸗ tigen will, und welcher das Cartel des jungen Grafen ſogleich mit Leidenſchaft behandelte.
Ich will und leide keinen Zweikampf bei meinem Heere, verachte die Grundſätze derjenigen, die ihn vertheidigen, die ihn zu rechtfertigen ſuchen und ſich mit kaltem Blute durchbohren.
Wenn ich Offiziere habe, die ſich mit Bravour jeder feindlichen Gefahr bloßgeben, die bei jedem ſich ereignenden Falle Muth, Tapferkeit und Entſchloſſenheit im Angriff und in der Vertheidigung zeigen, ſo ſchätze ich ſie hoch; die Gleichgültigkeit, die ſie bei ſolcher Gelegenheit für den Tod äußern, dient ihrem Vaterland und ihrer Ehre zugleich. Wenn aber hierunter Männer ſein ſollten, die Alles der Rache und dem Haſſe für ihren Feind aufzuopfern bereit ſind, ſo verachte ich dieſelben; ich halte einen ſolchen Mann für nichts beſſeres, als einen römiſchen Klopfechter.
Veranſtalten Sie ein Kriegsrecht über die beiden Offiziere; unterſuchen Sie mit derjenigen Unpartheilichkeit, die ich von jedem Richter fordere, den Gegenſtand ihres Streites und wer hieran am meiſten ſchuldtragend, der werde ein Opfer ſeines Schickſals und der Geſetze.
Eine ſolche barbariſche Gewohnheit, die dem Jahrhundert der Tamerlans und Bajazets angemeſſen iſt, und die oft ſo traurige Wirkungen auf einzelne Familien gehabt, will ich unterdrückt und beſtraft wiſſen und ſollte es mir die Hälfte meiner Offiziere rauben! Noch giebt es Menſchen, die mit dem Charakter von Heldenmuth den eines guten Unterthans vereinigen und das kann nur der ſein, der die Staatsgeſetze verehrt.“
Man ſollte glauben, daß ein ſolches Wort von ſolcher Stelle geſprochen aus allen Armeen den unſeligen Mißbrauch verbannt hätte. Nichtsdeſtoweniger iſt er im deutſchen Heere nicht ganz verſchwunden, aber doch durch gewiſſe Beſtimmungen in enge Grenze gezogen. Man weiß jetzt das Leben eines Offiziers beſſer zu ſchätzen, als daß man es einem durch die geringfügigſte Urſache veranlaßten Duell preisgeben läßt.
Auch in England hat ſich die öffentliche Stimme gegen das Duell erhoben und einen Anti⸗ Duellverein hervorgerufen, dem Offiziere der Marine, der Armee und hervorragende Perſonen aus allen Ständen angehören und in Folge deſſen die Zahl der Duelle ſich ſehr vermindert hat.
Leider kann nicht daſſelbe von unſeren deutſchen Hochſchulen geſagt werden. Das ſtudentiſche Duell⸗ und Raufweſen ſteht allerwärts in vollſter Blüthe und fordert alljährlich traurige Opfer. Gegen dieſes, als uns beſonders angehend, ſeien daher unſere Schlußbetrachtungen gerichtet. Wir geben hierbei den Anhängern, Freunden und Vertheidigern des Studentenduells das erſte Wort.
Vor Allem, ſagen dieſe, dient das Duell, um unter der ſtudirenden Jugend einen guten Ton und eine anſtändige Haltung zu bewahren, wie er ſich ſchickt für die Jünger der Wiſſenſchaft, für die künftigen Glieder der höheren Geſellſchaft. Wohin ſollte der Verkehr von ſo viel Hundert junger


