Aufsatz 
Ehre und Duell / Friedrich Schödler
Entstehung
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IWV. Beigabe. G.

Ehre und Duell.

Von

Friedlrich Schöcller.

Am 3. Mai des Jahres 1876 wurde in Darmſtadt ein Studirender des Polytechnicums im Duell erſchoſſen! Derſelbe war ein junger Mann von ſittlichem Charakter, untadelhaftem Lebens⸗ wandel, fleißig in ſeinem Studium, geliebt und geachtet von ſeinen Freunden und Lehrern.

Was war die Veranlaſſung zu dieſem Zweikampf mit ſo ſchrecklichem Ausgang?

Ein Wort!

Bei der öffentlichen Beſprechung einer ſtudentiſchen Angelegenheit erlaubte ſich einer der An⸗ weſenden eine Roheit und antwortete dem Vorſitzenden, der dies als unſchicklich bezeichnete, mit einem Schimpfwort.

Dieſem folgte eine Ausforderung dieſer das Duell letzterem der Todt!

Der Todt um ein Wort!

Heute noch ein lieber lebensfroher Menſch, die Freude und Hoffnung ehrenwerther Eltern des andern Tages gebrochenen Auges, erſtarrter Lippen, erkalteten Herzens. Ueberdeckt mit Blumen und Kränzen, gefolgt und beweint von troſtloſen Verwandten und Freunden, beklagt von der ganzen Bevölkerung giebt es nunmehr keine Stimme, keinen Laut, kein Wort, das den zurückruft zum Leben, den ein fluchwürdiges Wort getödtet hat.

Wie iſt es möglich, daß das Leben eines Menſchen, das Glück einer Familie, der Ruf einer Hochſchule an der Spitze einer Zunge hängen kann, die frech und frevelhaft das dämoniſche Wort ausſtößt, dem Blut folgt, wie dem Schnitt des Meſſers? Wer ſteht nicht tief erſchüttert vor dieſem Bilde, zumal wenn er erwägt, daß es nicht ein vereinzeltes, ein unerhörtes Vorkommniß in unſeren ſocialen Verhältniſſen iſt! Es hieße alte Wunden aufreißen, wollte man hinweiſen auf weitere, nicht minder ſchmerzlich berührende Beiſpiele.

Was aber grade den Verfaſſer bewogen hat, dieſe Erſcheinung einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen, das iſt ſein Verhältniß zu der unter ſeinen Augen heranwachſenden und heranreifenden Jugend. Alljährlich übergiebt die Schule ſowohl den bürgerlichen Berufen, als auch der Univerſität und dem Polytechnicum eine Anzahl junger Leute, die arglos in Kreiſe gezogen werden, wo ein Damokles⸗ ſchwert über ihrem Haupte ſchwebt, wo ein unbeſonnenes Wort für ſie gefährliche, ja tödtliche Fol⸗ gen haben kann.

Da iſt es Pflicht, die warnende Stimme zu erheben, weit hinaus über das Bereich der Schule, denn es handelt ſich hier um eine ſociale Frage von höchſter Bedeutung. Soll neben dem ethiſchen Geſetze, dasden Menſchen zum Menſchen geſellt die rohe Gewalt herrſchen? Soll neben dem