organiſchen Natur gelieferten Elemente umſetzt in organiſche Gebilde. Er wies haarſcharf nach, daß Luft und Waſſer die Hauptnahrung der Pflanzen ſind, wozu noch eine kleine, aber wichtige Menge dem Boden entzogener mineraliſcher Stoffe kommen— daß Humus und Dünger nicht ausreichen, die Fruchtbarkeit unſerer Felder auf die Dauer zu erhalten, da beide ja ſelbſt herſtammen von eben dieſen Feldern. Er verſchaffte uns die richtige Einſicht in die Rolle, welche die verſchiedenen Stoffe in der Ernährung von Menſch und Thier ſpielen und lehrte die fettbildenden, erwärmenden Reſpirations⸗ mittel unterſcheiden, von den fleiſchbildenden, plaſtiſchen Nahrungsmitteln.
Das Neue und Ueberraſchende dieſer Ideen— der ſcheinbare Widerſpruch, in dem ſie mit vielen altherkömmlichen Anſichten ſtanden, erregten einen wahren Sturm in den Kreiſen der Phyſiologen, der Mediciner, der Landwirthe und Staatsökonomen. Sie riefen gelehrte und ungelehrte Streitſchriften hervor der heftigſten Art und zahlreich genug, um eine ganze Bibliothek anzufüllen. Neben begeiſterten Stimmen des Beifalls erhob ſich vielfach eine herbe Kritik, die ſich nicht ſelten in verhöhnenden und feindſeligen Angriffen über das Haupt des Chemitkers ergoſſen, der plötzlich in Gebiete eingebrochen war, für die er als völlig unberufen angeſehen wurde.
Aber die hochgehenden Wellen haben ſich gelegt. Ein Vierteljahrhundert nach dem erſten Auftreten dieſer Ideen iſt der Kern ihres theoretiſchen Gehaltes von der Wiſſen⸗ ſchaft angenommen, iſt das Praktiſche ihrer Anwendbarkeit in Ausführung gekommen.
Wenn auch der erſte Eifer, mit dem Liebig jene Anſichten aufſftellte und verfocht, im Einzelnen zu Mißgriffen und Fehlſchlüſſen führte— in der Hauptidee iſt er Sieger geblieben. Wenn auch die erſten Fabriken von Mineraldünger erfolglos eingingen, ſo vermehrt ſich jetzt ihre Zahl von Jahr zu Jahr, und wir dürfen ſagen: die Landwirthſchaft Europa's könnte nicht beſtehen ohne dieſen Succurs an mineraliſchen Nährſtoffen.
So reiht ſich hier am paſſendſten der Nachweis an, wie aus Liebig, dem Lehrer und Forſcher, zugleich ein Wohlthäter der Menſchheit wurde, indem er derſelben zur klaren Einſicht in die Grundbedingungen der Landwirthſchaft und der Diätetik des menſchlichen Körpers verhalf. Ja— es war ihm ein wahres Bedürfniß des Herzens, auch die kleinſte, mit der Geſundheit, dem Wohlbefinden, der Annehmlichkeit der menſchlichen Exiſtenz ver⸗ bundene Frage, die gelegentlich ſich darbot, zum Gegenſtand ſeiner hülfbereiten Unter⸗ ſuchung zu machen. Die vollſte Ausnutzung der von der Natur gegebenen Güter zum Beſten der Menſchheit— dies war hier ſein Ideal!
Die Thatſache, daß in den Pampa's von Südamerika das Fleiſch von Hundert⸗ tauſenden von Rindern nutzlos zu Grunde geht, erregte in ihm die Idee zur Herſtellung des Fleiſchextraktes; bei unſerer üblichen Brodbereitung wird ſtets der zur Sauerteig⸗ bildung verwendete Theil des Mehls als Nahrungsmittel verloren. Liebig ſuchte durch ſein Backpulver dieſen Verluſt zu retten, das durch Horsford verbeſſert, in Amerika eine große Verwendung gefunden hat. Seine Kindernahrung ſoll in geeigneten Fällen ein Erſatzmittel bieten für die natürliche Milchnahrung. Durch ſeine Methode zur Her⸗


