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ganiſchen Stoffe ſich den Producten zuzuwenden, welche aus der organiſchen Natur— aus dem Pflanzen⸗ und Thierreich herſtammen.
Das Studium derſelben, das man kurz als Organiſche Chemie bezeichnet, bietet im Vergleich mit der Unorganiſchen Chemie ganz eigenthümliche Seiten. Wenn wir wiſſen, daß in den Mineralen und in den daraus dargeſtellten Chemikalien über 60 verſchiedene Elemente vorkommen, ſo erklärt dies hinreichend die große Manichfaltigkeit und Verſchie⸗ denheit dieſer Verbindungen. Wenn man aber erfährt, daß organiſche Stoffe, wie Stärke, Zucker, Weingeiſt, Eſſigſäure, Stearin u. A. m., die unter einander ſo auffallend verſchieden ſind, aus ein und denſelben drei Elementen, aus Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauerſtoff beſtehen, daß ferner das fieberheilende Chinin, das furchtbar giftige Strychnin und das nahrhafte Eiweis aus einerlei vier Elementen beſtehen, ſo iſt dies eine gewiß erſtaunenswerthe Thatſache. Hier muß alſo der Unterſchied nicht in der Qualität, ſondern in der Quantität der in dieſen Verbindungen vorhandenen Elemente beruhen.
Aber die Ermittelung dieſer Quantität, die ſogenannte Organiſche Analyſe, war⸗ eine unſichere, nur für ganz wenig Stoffe ausgeführte, höchſt ſchwierige Operation, und es war Liebig's erſte hervorragende Leiſtung, die allein ihm die Unſterblichkeit in der Wiſſen⸗ ſchaft ſichert, daß er der organiſchen Analyſe jene hohe Vollendung gab, die man kurz als die Liebig'ſche Methode bezeichnet. Der hierbei verwendete, höchſt ſcharfſinnig erdachte „Kali⸗Apparat“ iſt gleichſam das Symbol der organiſchen Chemie geworden und wurde, nachgebildet in Gold, von Verehrern Liebig's als Schmuck getragen.
Ueberhaupt beſaß Liebig ein angeborenes Talent zur Conſtruktion der für ſeine Ar⸗ beiten erforderlichen Vorrichtungen, und mit dem von ihm hergeſtellten„Liebig'ſchen Deſtillir⸗Apparat“ iſt ſein Name ebenſo unzertrennlich verknüpft.
Im Beſitz dieſer einfachen und genauen Methode führte Liebig nunmehr eine große Anzahl organiſcher Analyſen aus und begann damit Sicherheit und Zuſammenhang in die Anſichten über die Zuſammenſetzung der organiſchen Verbindungen zu bringen.
Es iſt unmöglich, Zahl und Bedeutung der von Liebig in dieſer Richtung ausge⸗ führten Arbeiten hier darzulegen, die ſo raſch ſeinen Ruf in den gelehrten Kreiſen ver⸗ breiteten. Allein dieſe Beſchäftigung führte ihn allmählig zu Betrachtungen, die zuerſt Liebig’s Namen die große Popularität erworben haben.
Es ſind dies die bedeutſamen Fragen über das Leben der Pflanzen und Thiere, über den Werth und die Bedeutung der Beſtandtheile ihres Körpers und ihrer Nahrungs⸗ mittel— über Ernährung, Krankheit und Zerſetzung der lebenden Weſen und den hieraus hervorgehenden Stoffwechſel— kurz Alles, was man jetzt zuſammenfaßt unter dem Namen der chemiſchen Phyſiologie.
Die Art und Weiſe, wie Liebig an die Erörterung dieſer Probleme herantrat, war geradezu bahnbrechend. Er verlegte dieſelben aus dem Laboratorium heraus in die allge⸗ meine Betrachtung, indem er den Haushalt des menſchlichen Körpers, des Ackers, der Wieſe, des Waldes einer ſtatiſtiſchen Controle über Aus⸗ und Einfuhr unterwarf. Er zeigte auf dieſe Weiſe, wie der Organismus nichts erzeugt, ſondern nur die von der un⸗


