Aufsatz 
Unser Landsmann Liebig
Entstehung
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verbeſſerte Liebig die Methode des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts, indem er die ſo wichtige Begleitung und Erläuterung des Vortrages durch Experimente zur vollſten Geltung brachte, durch die reichſte und anregendſte Vorführung der Stoffe und Erſcheinungen, um die es ſich handelte, durch die chematiſche Darſtellung von Zeichnungen und Formeln an der Tafel. Die Leichtigkeit, Geſchicklichkeit und Eleganz, mit der er die Verſuche in den Vortrag verflocht, waren für den Studirenden von geradezu hinreißender Wirkung. Liebig iſt hierin das Vorbild für zahlreiche ſpätere Lehrer aller Grade geworden, deren einige ſelbſt bis auf aparte Redewendungen und Manieren dem Meiſter nachzukommen ſuchten.

Es iſt ferner anerkannt, daß das friſche Leben, das mit ihm in die Lehrſäle der Naturwiſſenſchaften drang, weſentlich beitrug, auch in der Behandlungsweiſe anderer Dis⸗ ciplinen die geſpreizte Pedanterie, den hohlen Wortſchwall, den gelehrten Citatenkram und anderes Perücken⸗ und Zopfweſen der alten Kathedermanier mehr und mehr in Abgang zu bringen.

Doch der Hörſaal war ja nur ein Theil und zwar der weniger bedeutende von Liebigs Lehrwerk. Deſſen eigenſter Boden war das Laboratorium. Hier verkehrte Liebig perſönlich in der freundlichen Form des Umganges mit ſeinen Schülern; hier lernte er die begabteren, ſtrebſameren alsbald kennen, um ſie durch geſteigerte Aufgaben zu fördern und zu ſelbſtſtändiger Forſchung anzuleiten. Hier entfaltete ſich zugleich die ganze Liebens⸗ würdigkeit ſeiner gewinnenden Perſönlichkeit. Glücklich, wer deſſen ſich zu erfreuen hatte in jener Periode, wo die noch nicht allzu große Zahl der Schüler das Herantreten an jeden Einzelnen ermöglichte wo nicht eine Schaar von Aſſiſtenten zwiſchen den Pro⸗ feſſor und Studenten ſich einſchob, wie dies jetzt an den großen, zur maſſenhaften Pro⸗ duktion von Chemikern eingerichteten Laboratorien der Fall iſt.

Man wird die Bedeutung einer ſolchen die Theorie und Praxis glücklich vereinigen⸗ den Schule um ſo mehr würdigen, wenn man erwägt, daß damals in keiner deutſchen oder auswärtigen Univerſität ein ähnliches öffentliches und Jedem zugängliches Inſtitut aufzufinden war ja man muß erſtaunen, daß erſt im Jahre 1868 in Berlin, Bonn und Leipzig mit einem Aufwand von Hunderttauſenden von Thalern der Chemie jene glänzenden Paläſte vollendet und eingerichtet worden ſind von Schülern Liebigs, von unſeren heſſiſchen Landsleuten Hofmann, Kolbe und Kekuls.

Aber nicht auf den Hörſaal und das Laboratorium beſchränkte ſich die Begegnung Liebigs mit ſeinen Schülern. Allſonntäglich pflegte er einen oder mehrere derſelben an ſeinen gaſtlichen Tiſch zu laden, wobei er ſich lediglich leiten ließ von dem Intereſſe, das der Geladene ihm gewährte. Hier, im Kreiſe ſeines ſchönen Familienlebens konnte Liebig den Studirenden von ſeiner menſchlichen Seite und Bildung kennen lernen, hier bot ſich letzterem Gelegenheit, die Formen des gebildeten Umganges wahrzunehmen, und es erſcheint auch dieſe Art in bezeichnendem Gegenſatz zu der damals üblichen Praxis liberaler Pro⸗ feſſoren, ihre Zuhörer von Zeit zu Zeit zu einer Maſſenconſumtion zu entbieten, bei welcher die der Getränke eine hervorragende Rolle ſpielte.

Es war eine natürliche Folge dieſes Verkehrs von Liebig mit ſeinen Schülern, daß