Aufsatz 
Unser Landsmann Liebig
Entstehung
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25 beſcheidenen Lokale wiſſenſchaftliche Arbeiten von ſolcher Bedeutung hervorgegangen, daß Liebig's Namen einen Ruf erworben, der ihm Schüler aus allen Ländern Europa's und ſelbſt aus fernen Welttheilen heranziehen ſollte.

Was aber alsbald dem Gießener chemiſchen Laboratorium eine ganz beſondere Aus⸗ zeichnung verleihen mußte, ergiebt ſich daraus, daß es weniger erſte Anfänger waren, die zu Liebig kamen, als ſolche, die anderwärts zwar Chemie ſtudirt, aber nirgends Gelegenheit gefunden hatten, chemiſch zu arbeiten. Ja es fanden ſich Docenten und Profeſſoren ein, um von Liebigs analytiſchen Methoden und Apparaten an Ort und Stelle Einſicht zu nehmen und einige Zeit da zu experimentiren. Auf dieſe Weiſe entſtanden u. A. die von Liebig mit ſeinen Freunden Wöhler und Pelouze gemeinſchaftlich ausgeführten Unter⸗ ſuchungen, die eine hervorragende Bedeutung gewonnen haben.

So waren in der Zeit, als ich Liebigs Aſſiſtent war, nach Gießen gekommen: Röſe, Magnus und Poggendorf von Berlin; Gmelin und Geiger von Heidelberg; Wöhler von Göttingen; Erdmann von Leipzig; Otto von Braunſchweig; Schrötter von Wien; Mohr von Coblenz. Aus Frankreich: Pelouze, Regnault und Ger⸗ hard; aus England: Graham, Gregory, Turner, Kane und Thomſon; aus Holland: de Konink; aus Norwegen: Taulow; aus Rußland: Woskreſensky. Auch wurde Liebig die Genugthuung, den Sohn ſeines Lehrers und Freundes Gay⸗Luſſac als Schüler bei ſich zu haben.

Die in Gießen ſtudirenden Chemiker bildeten eine eigenthümliche Gruppe akademiſcher Bürger; meiſt älter, und ernſter dem Studium ergeben, als die übrige Studentenſchaft, pflegten ſie an dem eigentlichen ſtudentiſchen Leben ſich wenig zu betheiligen.

Zahl und Bedeutung der dem Gießener Laboratorium zuſtrömenden Chemiker mehrte ſich von Jahr zu Jahr und gegen Ende der dreißiger Jahre nahm Liebigs Schule bereits jene hervorragende Stelle ein, die ſie ſo lange behauptet hat. Zahlreiche, aus derſelben hervorgegangene wiſſenſchaftliche Forſchungen, verſchafften Liebig die allgemeinſte Aner⸗ kennung. Sie gab ſich zu erkennen im Inlande, durch die Gewährung reicherer Hülfs⸗ mittel und verbeſſerter Stellung, durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Ludewigs⸗ ordens i. J. 1836 und durch die Erhebung Liebigs in den Freiherrnſtand i. J. 1845.

Das Ausland bewies Liebig dieſelbe durch die ihm bereitete ehrenvolle, ja glänzende Aufnahme bei ſeinen Beſuchen in Frankreich und England. Insbeſondere glich ſeine Reiſe in Letzterem einem wahren Triumphzug, wie er einem Mann der Wiſſenſchaft kaum je zu Theil geworden iſt.

Endlich fehlte es nicht an Berufungen der ehrenvollſten Art, die Liebig jedoch in dankbarer Anhänglichkeit an das Heimathland und an die Stätte, wo er ſeinen Ruhm be⸗ gründet hatte, ablehnte.

Erſt nachdem Derſelbe durch eine achtundzwanzigjährige Wirkſamkeit in Gießen ſeine Schuld als überreich abgetragen erachten konnte erſt nachdem er, dem von ihm aufgeſtellten Vorbild entſprechend anderwärts chemiſche Schulen durch ſeine Schüler erblühen ſah, und ſo ſeine Miſſion ſich erfüllt hatte, und als ein ruhigerer Wirkungskreis und eine dem eigenen Ermeſſen über⸗

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