einzige, wo Knallerbſen zu haben waren. Wir werden ſpäter erfahren, warum hier eines ſo unerheblichen Gegenſtandes Erwähnung geſchieht. Dort wurde Juſtus Liebig geboren am 12. Mai des Jahres 1803, als älteſter Sohn einer ehrenwerthen bürgerlichen Familie. Er beſuchte das Gymnaſium, damals die einzige über der Volksſchule ſich er⸗ hebende Lehranſtalt— freilich mit wenig Erfolg. Das Latein ſagte ihm nicht zu, vielmehr gab ſchon frühe die im väterlichen Geſchäft gewonnene Bekanntſchaft mit Drognen und Chemikalien bei Liebig den Anſtoß zu ſeinem ſpäteren Fach, zur Chemie.
Insbeſondere waren es gerade die Kuallerbſen, die ihn reizten. Sein Vater bezog dieſelben von einem jener ſogenannten Chemiker damaliger Zeit, die auf Meſſen und Jahr⸗ märkten ihren Tiſch aufſchlagen, auf dem ſie Fleckkugeln, Porzellankitt, Mützenpulver und dergleichen Wundermittel, u. A. auch Knallerbſen anfertigten und feilhielten.
„Stundenlang— ſo erzählte Liebig— verweilte ich an dem Tiſche dieſes Künſtlers und beobachtete genau und wiederholt ſeine Manipulationen; wie er einen Groſchen in ein Trinkglas warf, eine wenig Scheidewaſſer und Spiritus zugoß und die nach der eintreten⸗ den Zerſetzung entſtandenen weißen Kryſtalle in kleinen Portionen mit etwas Salpeter ver⸗ miſcht, ſammt einer Erbſe in ein Papierchen wickelte, und das Knallpräparat war fertig.“
Erfolgreich wiederholte Liebig dieſes Experiment und emancipirte das väterliche Geſchäft von dem Monopol des fahrenden Chemikers— erfolgreicher, als er im Gymnaſium die latei⸗ niſchen Penſa zu repetiren vermochte.„Mein Platz im Gymnaſium, ſagte Liebig, war immer einer der erſten, wenn man von Unten anfing.“
Doch nicht blos praktiſch hantirte Liebig in chemiſchen Verſuchen— er verſchaffte ſich auch von der ausgezeichneten Darmſtädter Hofbibliothek chemiſche Werke und ſtudirte ſie mit einem Eifer, deſſen Homer würdig geweſen wäre. So wurde bei ihm der Abſtand zwiſchen klaſſiſcher und realer Richtung immer größer, und als der an allem Erfolg ver⸗ zweifelnde Lehrer eines Tages an ihn die Frage richtete:„Aber Junge, was ſoll denn aus dir werden?“— da antwortete Liebig feſt und entſchieden:„Ein Chemiker!“ zum Ge⸗ lächter der Klaſſe und mitleidigen Staunen des Lehrers.
„Es darf uns dies nicht Wunder nehmen, wenn wir bedenken, daß zu jener Zeit wiſſen⸗ ſchaftliche Chemiker noch nicht exiſtirten, ja die Chemie, als ſelbſtſtändige Wiſſenſchaft, hatte nicht einmal auf den Univerſitäten ihre Vertreter, ſondern wurde nebenbei meiſt von Me⸗ dicinern gelehrt, und die einzigen Praktiker auf dieſem Gebiete waren die Apotheker. Zu einem ſolchen wurde denn auch Liebig in die Lehre gethan, die jedoch ein baldiges Ende nehmen ſollte. Liebig fuhr nämlich auch hier fort zu experimentiren mit Knallſilber, und eine zu⸗ fällige Exploſion, die das Haus in Schreck verſetzte, und wohl auch Anderes, was ihm nicht zuſagen mochte, gab Anlaß zum Austritt.
Deerſelbe kehrte ins väterliche Haus zurück, bereitete ſich durch Privatſtudien zum Beſuch der Univerſität vor und ging 1819 nach Bonn, das er bereits nach einem Jahre mit Erlangen vertauſchte. Für das von ihm erwählte Fach der Chemie boten beide Univer⸗ ſitäten in ihrer damaligen Verfaſſung nur dürftige Nahrung. Dagegen iſt zu bemerken, daß an letzterem Orte die Begegnung Liebigs mit Platen ſtattfand, deſſen ſchwärmeriſche


