2 Dr. O. Schneider:
machen, Plato verlangt innige Verbindung der Musik mit der Gymnastik und will schon früh die Spiele gepflegt wissen. Aristoteles endlich, der groſse Erzieher des groſsen Alexander, verlangte Beschränkung in der Mathematik und unterwies selbst seinen Schüler wie in Beredsamkeit, den anderen Wissenschaften und Musik so in der Gymnastik.
Die spätere Zeit des Griechentums hat dann den Kreis der Wissenschaften aufgestellt, der sich auf die Römer und von diesen auf das ganze Mittelalter verpflanzte und sich teilweise noch bei einzelnen pädagogischen Gruppen und einigen Klassen der höheren Schulen in Frankreich wiederfindet.
Während nun die Grammatik, Dialektik oder Philosophie und Rhetorik die sprachliche Bildung(die Beredsamkeit oder eloquentia), die Musik, Arithmetik, Geometrie und Astro- nomie die Weisheit(sapientia) vermittelte, fehlt neben diesen berühmten sieben freien Künsten der späteren Griechen, der Römer, der Kloster- und überhaupt mittelalterlichen Schulen die Gymnastik, also die methodische und folgerichtige Ausbildung aller Körperkräfte zugleich nach den Regeln der Schönheit.
Diese Lücke ist äusserst wichtig in der Entwicklungs- geschichte der pädagogischen Ansichten über die körperliche Bildung.
Sie erklärt sich aber aus folgendem:
Wie bereits gesagt, stammt jener Kreis der sieben freien Künste und Wissenschaften aus der Zeit des niedergehenden, im sittlichen Verfall begriffenen Griechentums, und so hoch uns die Idee der altgriechischen Erziehung begeistern kann, so ist doch der sittliche Verfall der Griechen gerade mit der Gymnastik d. h. mit ihrer Entartung und dabei sich entwickelnden Lastern ver- knüpft.
Wie gewaltig die Kluft ist, die uns von den sonst so ver- herrlichten Griechen trennt, geht daraus hervor, dass ich mich bier nicht einmal nur andeutungsweise über das in Betracht Kommende aussprechen kann.
Einerlei— infolge körperlicher und sittlicher Erschlaffung konnte das Griechentum uns seine Gymnastik nicht vererben, und man muſs Cicero recht geben, wenn er sich gegen die griechische Art der Gymnastik ausspricht. Also selbst das verfallende Römertum sträubte sich dagegen.
Die Römer sahen aber die nach römischer Weise betriebene Gymnastik nur als Vorbereitung zum Kriegsdienste an und zogen sie deshalb auch nicht in den Kreis ihrer Jugenderziehung.
In ihrer tüchtigen, mannhaften Zeit war nun, wie bei unseren Vorfahren, den Germanen, das Hauptziel aller Jugenderziehung, den heranwachsenden Jüngling wehrhaft, tapfer und kriegstüchtig zu machen, so dafs die früheren Römer und die Germanen die Körperentwicklung einseitig betonten. Mit ihrer einseitigen


