Aufsatz 
Die geschichtliche Entwicklung der pädagogischen Ansichten über die Körper- und Charakterbildung
Entstehung
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Die geschichtliche ntwicklung der ädagogischen Ansichten über die Koipor- arakterbildung. Von Dr. O0. Schaer r in Oppenheim a. Rh.

Die Bestrebungen des Kaisers auf dem Gebiete der Schul- reform werden vielleicht durch folgende Ausführung in ein helleres Licht gerückt.

Diese sollen in objektiver Weise die geschichtliche Ent- wicklung der pädagogischen Ansichten über die Körper- und Charakterbildung bieten und sind bereits im Jahre 1888, 1889 und Januar 1890 entworfen.

Gerade in unseren höheren Lehranstalten und zumeist in den mit den höchsten Berechtigungen ausgestatteten(den humanistischen Gymnasien) werden die Griechen als die Muster edler Menschlich- keit oder Humanität gepriesen, und wahrlich! nichts Groſsartigeres kennt die Geschichte der Erziehung als das Streben der Griechen vor den Zeiten ihres sittlichen und staatlichen Verfalls, die körper- lichen und die geistigen Kräfte in harmonischem Verhältnis aus- zubilden, dabei die Charakterentwicklung energisch zu betonen, die Jugend an schnelles Auffassen schwieriger Verhältnisse und schnelles Auffinden des rechten Mittels zum Zwecke zu gewöhnen, sie empfänglich zu machen für alles Schöne und Edle und das Gefühl der Pietät der dankbaren Hingabe und Verehrung zugleich gegen das Vaterland, das Alter und die Lehrer in dem heranwachsenden Geschlechte zu entwickeln.(Vergl. Schumann, Lehrbuch der Pädagogik, I S. 51).

Ich übergehe den allbekannten Einfluss der Wettbewerbung bei den nationalen Spielen der Griechen, einen Wettbewerb im Gebiete der höchsten Anspannung körperlicher Kraft und Schönheit, dem auf geistig-künstlerischem Gebiete der Wett- bewerb im Drama zur Seite steht, und führe kurz die groſsen Staatsmänner, Weisen und Erzieher mit ihren hierher gehörigen Ansichten auf.

Solon stellt die Schwimmkunst neben das Lesen, ja vor es: der Knabe soll vor allem schwimmen können, und es ist eine Schmach für ihn, wenn er es schlieſslich nicht kann. Die ärmeren Knaben sollen zum Landbau, Handel oder einem Handwerk, die wohlhabenden zur Musik, dem Umgang mit Pferden, der metho- dischen Ausbildung aller Körperkräfte oder Gymnastik, zur Jagd und Philosophie angehalten werden.

Man vergleiche mit diesen Vorschriften die Art der Geistes- und Körperpflege auf unseren militärischen Bildungsanstalten, den Kadetten- und Kriegsschulen.

Pythagoras betont die Erziehung zur körperlichen, geistigen und sittlichen Tüchtigkeit, Sokrates schätzt die Gymnastik als Mittel, den Körper zum geschickten Werkzeug der Seele zu