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die Personen dieser mythisch sind, die des Gedichts wirklich gelebt haben. Höchstens lassen sich beide Berichte so vereinigen, daſs man annimmt, es sei auf den in der Sage auftretenden Horant in später Zeit die Sangesgabe eines uns nur durch„Deörs Klage“ bekannt gebliebenen angelsächsischen Sängers übertragen worden. Man wird entgegen- halten, die Verbindung der Namen Heodeninge und Heorrenda sei zu auffallend, als dals man an ein zufälliges Zusammentreffen und nicht vielmehr an eine bewufste Anspielung zu denken hätte. UÜber der auffallenden Überein- stimmung vergesse man jedoch auch drei grofser Verschiedenheiten nicht: die Form Heorrenda entspricht lautgesetzlich nur der deutschen Form Herrant, einem Namen, der sich in Deutschland vielfach fand, während die Form Iorant nur für uns aus dem Kudrunlied nachzuweisen ist; die Hjadninge ferner bezeichnen in der Snorra Edda die Genossen des Hedin, in Deörs Gedicht sind sie offenbar ein vornehmes, von Heoden abstammendes Adelsgeschlecht; Horant in der IHildesage ist Herrscher von Dänemark, ein gewaltiger Kriegsheld, bei dem sich nebenbei herausstellt, dals er auch der Sangeskunst mächtig ist; der angelsächsische Heorrenda dagegen ist ein Sünger, der von seiner Kunst lebt, der ebenso gut wieder entlassen werden kann, wie er den Der verdrängt hat. Wenn nun Haigh nachweist, dafs in Staffordshire ein Ort Hednesford, in Hampshire ein Ort Hednesdene gelegen hat: was hindert anzunehmen, dafs in jenen Gegenden thatsächlich ein Geschlecht der Heodeninge gelebt hat zur Zeit, als das Gedicht entstand, und dalfs der Sünger dieses Geschlechtes den Namen Heorrenda führt, der in England vielleicht ebenso häufig war, als der ihm entsprechende Herrant in Deutschland? Nach alledem glaube ich, die Stelle in Deörs Klage aus der Reihe der Zeugnisse für die Hildesage streichen und an dem Ergebnis der Untersuchung über die Hildesage, dals nämlich Horants Gesang einer der jüngsten Züge sei, festhalten zu dürfen.
EXxKurs II.
Meinen Prörterungen über die Stelle in Lamprechts Alexander habe ich oben(p. 15) die Konjektur W. Grimms zu Grunde gelegt; mit welchem Rechte, soll die folgende Auseinandersetzung darthun: Für Klee, (zur Hildesage p. 48 u. 49) steht es fest, dafs diese schwierige Stelle, man mag sie auslegen, wie man will, das eine sage, dals die Schlacht auf dem Wülpensande, an der Wate, Herwig und Wolfwin teilnehmen, nicht um Kudrun, sondern um Hilde geschlagen wird. Die Darstellung der Hildesage, die Lamprecht kannte, ist aber nach seiner Ansicht nicht eine Vermischung, sondern eine Ubergangsstufe von der einfachen Fassung zu der komplizierteren, von der jüngeren zur älteren: denn hier würden Bégebenheiten nur von Hilde erzühlt, die ein Jahrhundert spüter teils von Hilde, teils von Kudrun erzählt würden. Da aber bei der gewöhnlichen Deutung der Stelle(die Schlacht um Hilde geschah auf dem Wülpenwerde, Hildes Vater wird zwischen Hagen und Wate getötet, an der Schlacht waren auch Herwig und Wolfwin(= Ortwin) beteiligt) die Stellung des Hagen unerklärlich ist, so verbindet Klee nach dem Vorgange Hofmanns(Münchener Sitzungsberichte 1867, II, 212) den Vers„inzwischen Hagenen unde Waten“ mit dem Satz„von einem volewige hôre wir sagen, der af Wulpinwerde gescach“ und erhält als Sinn der Stelle: auf dem Wülpenwerde kämpfte Hagen gegen Wate um Hilde in einer Schlacht, an der auch Herwig und Wolfwin teilnahmen.„Iilde steht dann, fährt Klee fort, also noch an Stelle Kudruns im mhd Gedicht; oder vielmehr in der niederrheinischen Gestalt sind in dieser einen Schlacht die Elemente zu den späteren zweien(auf dem Strande zu Waleis und auf dem Wülpenwerde) erhalten: Hagen und Hilde blieben der ersten, der Schauplatz, Herwig und Wolfwin der zweiten, Wate beiden Schlachten.“ Wenn nun auch noch nicht die Scheidung der Hauptpersonen in zwei vor sich gegangen war, so mufs doch die Sage schon ziemlich kompliziert gewesen sein, wie aus der Erwühnung Wates, Herwigs und Wolfwins hervorgeht, welche dem Norden nicht bekannt waren“.
Zugegeben, diese Deutung der Stelle sei richtig: wie steht es dann mit der Sage? Erinnert man sich, dals in der Schlacht auf dem Wülpensande nach dem mhd Epos König Hetel fällt, so wird man geneigt sein, auch in dem Vater, der tôt lach, den Hegelingenhelden zu erkennen, zumal da Klee darauf hinweist, dafs Hilde noch an Stelle der Kudrun stehe. Welche Stellung hat dann Hagen? Wenn es heiſst, ein Kampf habe zwischen ihm und Wate stattgefunden, so ist dies nur möglich unter der Voraussetzung, dafs er der Vater der entführten Hilde war. Es ergiebt sich also bei dieser Deutung die unlösliche Schwierigkeit, dals man zwei Väter vor sich hat; eine derartige sinnwidrige Verquickung beider Sagen ist undenkbar. Und doch führt aufser der Erwähnung des Wülpensandes auch die Mitwirkung Herwigs und Wolfwins auf jene Schlacht, in der Hetel fiel; will man also Hetel beibehalten als Vater, der erschlagen wird, so kann der Kampf zwischen Wate und Hagen nur so erklärt werden, dafs nach der dem Lamprecht bekannten Fassung Hagen der Entführer gewesen ist, gegen den Wate, Hetel, Herwig und Wolfwin ankämpfen; an seine Stelle wären in der Zwischenzeit von etwa 1130— 1210 Ludwig und Hartmut getreten. Abgesehen davon, dals eine derartige vollständige Umwälzung aller Verhältnisse innerhalb eines Jahrhunderts undenkbar ist, zumal eines Jahrhunderts, das die Sagen in ihren Grundzügen weniger weiter entwickelte als vielmehr die überlieferten Grundzüge im einzelnen ausdichtete, so ist diese Fassung der Sage als höchst unwahrscheinlich
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