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2* mann hinstellten, in der anderen Gegend, wo man die Entführung als durch Wate vollzogen erzählte, in die Gefahr gekommen sein, für Lügner zu gelten und deshalb beschlossen haben, beide Darstellungen mit- einander zu verbinden, um es allen Hörern recht zu machen ¹). Die Thatsache nun, daſs zwei so verschiedene Darstellungen über dieselbe Begebenheit möglich waren, ist begreiflich, wenn man annimmt, daſs in der ältesten deutschen Fassung die Werbung und Entführung in ebenso schlichter und kurzer Weise erzählt waren, wie in der altnordischen, und dafs die zudichtende Phantasie hier in so verschiedener Weise schalten konnte, weil sie noch keine bestimmt ausgeprägten Motive vorfand. Also auch aus diesem Grunde hat man in der ausführlichen Schilderung der Werbung verhältnismälsig junge Zudichtung zu erkennen. Während aber die Entführung der Hilde durch den als Kaufmann auftretenden Fruote keine weitere Ausdichtung erfuhr, wurde die andere Art der Entführung durch die als vertriebene Helden auftretenden Vasallen Hetels noch erweitert; es trat hinzu der Gesang Horants. Notwendig ist dieser Zug, wie soeben gezeigt, für die Werbung nicht; als junge Zudichtung giebt er sich zu erkennen, dadurch dals er unvermittelt auftritt und ebenso spurlos verschwindet. Aufser der 6. aventiure weils das ganze Epos nichts von Horants Gesang; in Str. 405 und 406 giebt Horant das Versprechen, der Hilde täglich zu singen, wenn sie seinem Herrn sich vermählen will; das Versprechen wird später völlig vergessen. Wäre Horant von Alters her der ritterliche Sänger, der durch das Lied die Hilde gewinnt, so würde das Epos diese Eigenschaft auch sonst hervorgehoben haben; an wie viel Stellen tritt nicht im Nibelungenlied das Fiedelspiel Volkers von Alzeie und sein Charakter als der kühne Fiedler entgegen! Erwägt man nun, daſs im König Rother, einer Spielmannsdichtung, die noch andere Züge mit dem Kudrunepos gemein hat ²), der Gesang dreier Leiche eine ähnliche Rolle spielt wie Horants Gesang, dals ein Fahrender in Salomon und Morold zuerst Horants Gesang mit Salomos Weisheit und Absalons Schönheit zu der später sprüchwörtlich gewordenen Dreiheit begehrenswerter Güter zusammenstellt, so geht die Vermutung, welche in diesem Zug die Erdichtung eines Fahrenden aus dem 12. Jahrhundert sieht, wohl nicht fehl ²). Nachdem Horants Gesang als junge Zuthat erkannt ist, würde sich noch die Frage erheben, ob Horant ähnlich wie Wate und Fruote vor Verbindung der Hildesage mit der Kudrunsage in die erstere eingetreten ist oder erst nach derselben; diese Frage kann jedoch nur auf Grund vorausgegangener Besprechung der Kudrunsage beantwortet werden.
Oben ist gezeigt, bei welcher Gelegenheit Wate und Fruote in die Hildesage eintreten; es erübrigt noch zu erläutern, warum gerade diese sagenberühmten Persönlichkeiten Eingang fanden und wie es kam, dals sie den Hetel zurückdrängten. Die erste Frage erledigt sich durch den Hinweis darauf, daſs, wie oben(p. 6 und 3) angedeutet, bei den Angelsachsen Hildesage und Watesage, bei den Dänen Hildesage und Fruotesage einander nahe standen; und wie man in die Nibelungensage den Dietrich von Bern und sogar den Ermanrich hineinbrachte, so verwandte das Volk bei der Ausdichtung der Hildesage die ihm schon bekannten Sagengestalten Wate und Fruote. Zur Beantwortung der zweiten Frage ist es nötig, an die verschiedene Charakterisierung des Hagen und Hetel in den nordischen Fassungen zu erinnern. Dem Hetel war dort ein milderer, versöhnlicher Charakter zugeschrieben. Leicht konnte eine solche Natur im Laufe der Zeit neben der ausdrucksvollen Persönlichkeit Hagens unbedeutend erscheinen und zu dem Versuche antreiben, als Gegengewicht gegen diesen dem Hegelingenkönig andere kraftvollere Gestalten zur Seite zu stellen. Nun war aber Fruote(Frodi) bei den skandinavischen Völkern eine berühmte Sagengestalt, und
¹) Zu einem ähnlichen Resultate kommt Wilmanns auf Grund seiner kritischen Untersuchung über die aventiuren 5— 8, p. 42— 95; nur glaubt er, dals Wate immer mit Fruote zusammen gewesen sei und in der Fassung, wonach Hilde von den Hegelingen als Kaufleuten geraubt wird, die Rolle eines Befehlshabers über die im Schiff verborgenen Helden gespielt habe. Dann müfste Fruote doch umgekehrt auch eine Rolle in der anderen Darstellung der Entführung gehabt haben; dort ist aber kein Platz für ihn.
²) Vgl. str. 252 mit Rother 3066; str. 1318 mit Rother 3882; str. 311 mit Rother 924; str. 198, 228 mit Rother 80 ff.(Klee p. 57).
²) Das angelsächsische Gedicht„Deörs Klage“, in welchem man gewöhnlich ein Zeugnis für das hohe Alter von Horants Gesang erblickt, ist im Exkurs I behandelt.
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