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fällt, nicht die Schlacht, in der Hetel gegen Ludwig und Hartmuot fällt, fand auf dem Wülpenwerde statt; 3) im Anfang des 12. Jahrhunderts sind Hildesage und Kudrunsage miteinander in einem Kreise“ inhaltlich zusammengehöriger Lieder vereinigt, müssen also schon im 11. Jahrhundert sich verbunden haben.
Das mittelhochdeutsche Epos enthält nun aufser der Hilde- und Kudrunsage noch
I. Die Sage von der Entführung des Hagen in seiner Jugend. Nach den Unter- suchungen, die über das Vorkommen von Greifen in der deutschen Sagenwelt angestellt sind ¹), steht es fest, daſs diese orientalischen Fabeltiere, der germanischen Heldensage ursprünglich fremd, seit den Kreuzzügen Eingang in dieselbe gefunden haben und demgemäls zuerst in Dichtungen aus dem letzten Viertel des 11. Jahrhunderts erwähnt werden. Da nun der erste Teil des mhd Epos die allgemeine Bekanntschaft der Greifen voraussetzt, so kanm diese Sage nicht vor dem 12. Jahrhundert entstanden sein, und zwar ist sie wohl nicht unter dem Volk in Anlehnung und phantastischer Ausdichtung einer längst vorhandenen Sage entstanden, sondern sie ist wahrscheinlich eine völlig freie Erfindung eines Mannes, der dem Kreise der Fahrenden angehörte. Hier waren ja die Greifensagen durch die Sage von Herzog Ernst zahlreich verbreitet, hierzu stimmt es auch, dals gerade in diesem Teile des mhd Epos das Treiben der Spielleute an den Hoffesten mit besonderer Behaglichkeit geschildert wird.
II. Die Hildesage im Kudrunliede weicht von den alten nordischen Fassungen der Sage vor allem in drei Momenten ab. 1) In diesen steht der allnächtliche, durch den Raub der Jungfrau verursachte Kampf, dessen Bedeutung durch die vorausgehenden Sühneversuche und seine Fortsetzung bis zur Götter- dämmerung hervorgehoben wird, entschieden im Vordergrund: in dem mhd Epos bildet er, versöhnlich abschlieſsend, nur das Nachspiel der Entführung, welches zwar für kurze Zeit die Erwartung noch einmal. spannt, aber dann, wie gewöhnlich der letzte Akt eines Schauspiels, an Interesse verliert. 2) Die nordischen Fassungen berichten von der Art und Weise der Entführung nur wenig: die Hildesage im Kudrunlied dagegen ist in ihrem gröſsten und hauptsächlich die Aufmerksamkeit erweckenden Teile der Schilderung der Werbung und Entführung gewidmet. 3) Nach den nordischen Fassungen der Sage vollzieht Hetel die Entführung der Hilde selbst: in dem Epos überläfst er dies dem Wate, Fruote, Horant, Irold und Morung. Schon bei der Besprechung der Erzühlung Saxos ist gezeigt, dals die Verwandlung der unend- lichen Schlacht in eine endliche dem Einflufs des Christentums zuzuschreiben ist, und bei der Besprechung der Stelle aus Lamprechts Alexander, dals der versöhnliche Schluſs den milderen Anschauungen des 13. Jahrhunderts entspricht; er war auch notwendig, um die Verbindung der Hildesage mit der Kudrunsage zu ermöglichen. Der zweite Unterschied erklärt sich wohl aus dem gleichfalls schon erwähnten Bestreben, der alten Walkyriensage, welche durch den versöhnlichen Abschlufs in den Kreis der gewöhnlichen Entführungssagen herabgesunken war, erneutes Interesse zuzuwenden. Während in der Shetlandischen Ballade der Hildesage aus diesem Grunde die Hilugesage angefügt ist, scheint man in Deutschland dieselbe Absicht dadurch erreicht zu haben, dals man die Werbung und Entführung mit reicherem Apparat in Szene setzte; die farbenprächtige Schilderung der Entführung im mhd Epos ist demnach nicht etwa alte, nur in Deutschland erhaltene Sage, sondern verhältnismäſsig junge Zudichtung. Trotzdem läſst sie erkennen, dafs die ursprüngliche deutsche Fassung der Sage in einem Punkt von der altnordischen abwich. Wenn nämlich jener Zug der Snorra Edda, wonach die Entführung der Hilde gelegentlich eines kriegerischen Einfalles während der Abwesenheit des Vaters stattfand, einzig ursprünglich wäre, so würde nicht zu erklären sein, wie daraus eine Werbung und listige Entführung in Gegenwart des Vaters hat werden können. Der Einwand, die Entführung gelegentlich eines kriegerischen Einfalles sei weniger der Ausdichtung fähig gewesen als eine listige Entführung, ist nicht stichhaltig; denn mit leichter Mühe sind auch im ersten Falle eine Anzahl Thatsachen, die weiter ausgesponnen werden konnten, zu finden. Es
¹) Vgl. Bartsch, Herzog Ernst Vorrede p. 152.


