Aufsatz 
Versuch einer Geschichte der Hilde- und Kudrunsage / vom wissenschaftlichen Hilfslehrer Heinrich Schmitt
Entstehung
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der Hildesage, wo beide Kämpfer sich erschlagen und allnächtlich die Schlacht erneuern, zu der des Kudrunepos führt, in welcher der Kampf zwar erhalten ist, aber als die Not aufs höchste gestiegen, entsprechend den milderen Auschauungen der Zeit durch eine Versöhnung unterbrochen wird. Eine Schwierigkeit erhebt sich dadurch, daſs neben Hagen, Hetel und Wate die beiden der Kudrunsage angehörenden Helden Wolf(Ort)win und Herwig erwähnt worden, die nirgendwo, weder bei der Entführung der Hilde noch in der Schlacht gegen den nachsetzenden Vater, erwähnt werden, sondern nur in der Kudrunsage ihren Platz haben. Die Schwierigkeit ist nur scheinbar, wie eine genaue Betrachtung der ganzen Stelle zeigt. Lamprecht fährt im Lobe des Alexander folgendermaſsen fort:

man saget von guten knehten, di wol getorsten vechten,

in der Troiôre liede,

é der sturm geschiede, Achilles unde Hector,

Ajax unde Nestor,

di manic tuüsint irslüúgen

unde ouh scarfe gêre trüúgen: ir ne mohte under in allen

ze Alexandrô niht gevallen.

Wie vorher zwei Paare von Kämpfern genannt sind(Wate und Hetel; Herwig und Wolfwin), so werden Achill und Hector, Ajax und Nestor paarweise mit der Heldentüchtigkeit des Alexander verglichen. Niemand wird behaupten, der Dichter habe diese vier Helden im Hinblick auf eine bestimmte Schlacht vor Troja, in der sie zusammen vorkommen, ausgewählt, sondern, durch den Ausdruckin der Troiére liede, 6 der sturm geschiede im allgemeinen auf die Kämpfe von Troja hinweisend, wählt er jene vier bekannten Helden, die sich ihm zuerst bieten, aus. Khnlich ist es mit Herwig und Wolfwin einerseits und Hetel und Wate andererseits. Durch die Erwähnung der Schlacht auf dem Wülpensande mit ihren bedeutendsten Helden Wate und Hetel hat der Dichter auf die Hilde- und die damit verbundene Kudrunsage aufmerksam gemacht; in demselben Sagenkreis verbleibend, erwähnt er zwei weitere Helden, die sich ebensowenig wie die Helden der Schlacht vom Wülpensand mit Alexander messen können. In welcher Schlacht diese Helden sich ausgezeichnet haben, hält er für überflüssig zu sagen, da er die ganze Sage als bekannt voraussetzt und deshalb nicht einmal den Namen des Vaters der Hilde nennt. Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Deutung der Stelle ist auch in der Ausdrucksweise des Dichters zu erkennen. Wenn Lamprecht, nachdem er an die erhabene Szene am Ende der Schlacht auf dem Wülpenwerde erinnert hat, die Worteder ne mohte sih hi z0 niht gegaten setzt, so macht diese abschliefsende Wendung den Eindruck, als ob die Erinnerung an die Schlacht auf dem Wülpensande damit beendet sein solle. Man weiſs, dals die Schlacht auf dem Wülpenwerde nicht zu vergleichen ist mit der Schlacht am Euphrat: wozu bringt der Dichter noch einmal zwei Helden aus eben dieser Schlacht, um wiederum zu versichern, daſs sie dem Alexander nicht gleichkamen? Die Annahme, dals auch Herwig und Wolf(Ort)win an der Schlacht auf dem Wülpenwerde beteiligt gedacht würden, schreibt mithin dem Dichter eine Weitschweifigkeit des Ausdrucks zu. Dagegen einen angemessenen Fortschritt des Vergleichs enthält die Stelle bei der Annahme, dafs Lamprecht eine Dichtung als bekannt voraussetzte, in der wie im mhd Epos zuerst Hagen, Wate und Hetel als Kämpfer in einer Schlacht auftreten. Dieser Kampf war nach Lamprechts Ansicht nicht vergleichbar dem am Euphrat. Aber auch Herwig und Ortwin, die in jener zweiten Schlacht der Hilde-Kudrunsage auftreten, reichen nicht an Alexander heran. Drei wichtige Thatsachen fördert somit diese Deutung der Stelle zu Tage: 1) die Hildesage schlols mit dem Tode Hagens; 2) die Schlacht, in welcher Hagen gegen Wate und Hetel