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das Moment, welches die Phantasie gewaltig erregend einen tragisch erschütternden Abschluſs gab; mit einer endlichen Schlacht, in der entweder beide Helden oder einer von beiden fiel, oder gar mit einer Versöhnung abschlielsend, sank sie in den Kreis der Entführungssagen und Geschichten herab, wie sie in den Zeiten der nordischen Wikingerzüge wohl zahlreich im Volksmund gelebt haben; um dies zu verhindern, mochte man sich schon früh versucht fühlen, der altbeliebten Sage an Stelle des unmöglich gewordenen früheren Schlusses einen anderen gleichfalls mächtig auf die Phantasie wirkenden Abschluſs zu geben. Und das geschah auf den Shetlandsinseln durch Verbindung mit der Hilugesage. Die Jungfrau, um die sich Hiluge vergebens bewirbt, wurde identifiziert mit der Hildina; da aber in der Hildesage kein Platz mehr war für das aktive Eingreifen eines Nebenbuhlers, so erhielt er die oben dargestellte passive Stellung; erst von der Beseitigung des Jarls ab tritt er in den Vordergrund ¹).
c. In Deutschland.
Die Sitte unserer Vorfahren, ihren Kindern die Namen berühmter Persönlichkeiten der Sage beizulegen, bietet den Nachkommen ein willkommenes Hilfsmittel bei der Forschung nach Verbreitung und Alter einer Sage. Finden sich nämlich Namen, die für gewisse Sagen charakteristisch sind und sonst nicht üblich waren, in den Urkunden bestimmter Gegenden zu wiederholten Malen, so ist die Verbreitung der betreffenden Sage für jene Gegend anzunehmen. Demgemäls darf die Bekanntschaft der Hildesage für Oberbaiern von der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts ab vorausgesetzt werden; denn von Anfang des 12. Jahrhunderts ab tritt der Name Horant für erwachsene Leute in Tegernseeer und Chiemseceer Urkunden wiederholt auf(Müllenhoff, Haupts Zeitschrift XII:„Zeugnisse und Exkurse zur deutschen Heldensage“). Der Dorfname Heteldorf, sowie der mehrfach vorkommende Name Herwig beweisen die Bekanntschaft der vereinigten Hilde- und Kudrunsage in Steiermark für die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts (Zingerle, Germania I, 293: Die Personennamen Tirols). Dals beide Sagen vom Nieder- und Mittelrhein her ihren Weg nach Baiern und Steiermark gefunden haben, wird wahrscheinlich gemacht durch die Anspielungen auf dieselben in dem Rolandslied des Pfaffen Konrad und dem Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht. Der Pfaffe Konrad, ein Franke von Geburt, hat einer sicheren Vermutung zufolge seine Dichtung in Baiern verfaſst, und Pfaffe Lamprecht, seiner Sprache nach aus der Kölner Gegend stammend, hat vielleicht ebenfalls in Baiern gedichtet(Scherer, Quellen und Forschungen 7, 62). Vom Nieder- und Mittelrhein her fand im Ausgang des 11. und im 12. Jahrhunderts ein reger Verkehr und Austausch poetischer Produkte teils nach Thüringen, teils nach Baiern, östreich und Steiermark hin statt, vermittelt vor allem durch den Stand der Fahrenden. Die vorauszusetzende Bekanntschaft derselben mit der Hildesage beweist eine Anspielung in der Spielmannsdichtung Salomon und Morold, wo v. 800 Morold zu Salomon sagt:
Waer ich alse wise als dü Salomôn und waer ich alse schoene als Absalôn und sunge also wol als Hôrant etc.
In Steiermark ²) oder Östreich ist endlich jenes durch Zusätze von mancherlei Art schlimm entstellte Epos Kudrun— vermutlich im zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts— entstanden, welches die Hildesage und die mit ihr verbundene Kudrunsage allein in poetischer Form und Ausgestaltung überliefert hat.
¹) Klee(p. 40) vermutet, dafs die Hildesage sich noch wiederfinde in den schwedisch-dänischen Volksliedern von Hillebrand und Hilla(bei Grundtvig No. 83, II, p. 390— 403, III, p. 856— 858); doch sind der übereinstimmenden Momente zu wenig, als dafs eine Behandlung dieser Volkslieder am Platze gewesen wäre; es soll freilich auch nicht völlig geleugnet werden, dafs jene Volkslieder mit der Hildesage zusammenhängen können.
²) Vgl. Martin, Kudrun XXIII und Symons, Kudrun 39.


