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kann. Freilich hat die Shetlandische Ballade den effektvollen, durch die Geisterschlacht gebildeten Schluls nicht mehr, und neu findet sich ein Nebenbuhler des Hedin in der Gestalt des Hiluge. Die Geisterschlaclrt ist offenbar dem Christentum zum Opfer gefallen; bezüglich des Hiluge erhebt sich die Frage, ob er durch eine naturgemäſse Fortbildung der Sage sich aus und in ihr entwickelt hat oder von aulsen an sie heran- getreten ist. Da ein Hiluge als sagenhafte Persönlichkeit nirgends bezeugt ist, so sind allein innere Gründe mafsgebend. Die Ballade zerfällt bei näherer Betrachtung in zwei peile; der zweite beginnt damit, dals Hiluge den König bewegt, die dem Jarl geschworenen Eide zu brechen. Im ersten Teil sind Hildina, der König und der Jarl die Träger der Handlung; Hiluge spielt eine traurige Rolle: ein verschmähter Freier, bleibt er dennoch am Hofe des Königs, dessen Tochter ihn so schwer gekränkt hat, wohl in der Hoffnung, durch fortgesetzte Werbung den spröden Sinn der königlichen Jungfrau doch noch zu erweichen. Dieser Zug, dals ein Held die schroffe Abweisung seiner Werbung ruhig erträgt und dann, als ob nichts vorgefallen sei, in der Nähe der begehrten Jungfrau bleibt, entspricht den Anschauungen der alten germanischen Heldensage durchaus nicht: Hartmut versucht zwar nach der interpolierten Fassung des mhd Epos die Werbung um die Kudrun zweimal, aber das eine Mal sind es seine Boten, welche die abschlägliche Antwort erhalten, und diese gilt mehr dem geringeren Stande seiner Eltern als seiner Persönlichkeit; als er dann erkennt, dafs auch die Macht seiner Persönlichkeit ihm nicht zu dem Besitz der begehrten Jung- frau verhilft, da entschliefst er sich rasch, durch eine klug abgepaſste Gewaltthat sie zu erringen; ebenso dringt Herwig, da seine Boten abgewiesen sind, mit den Waffen vor die Burg Hetels. Handlungen also feindseliger Art und nicht ein liebeseufzendes Abwarten verlangt die Heldensage von dem abgewiesenen Freier; Hiluge spielt aber nicht nur am Hofe des Königs, sondern auch anfangs noch auf der Orkneyinsel eine durchaus nebensächliche passive Rolle. Der Jarl geht dem Könige entgegen, versöhnt sich mit ihm und erhält die Einwilligung zur Vermählung mit Hildina: um Hiluge kümmern sich hierbei weder Hildina noch der König noch der Jarl. Ganz anders aber wird seine Stellung im zweiten Teile. Nicht der König, der dem Jarl die Eide gebrochen hat, kämpft mit ihm, sondern Hiluge, ein Personenwechsel, den man den Anschauungen der Heldensage gemäfs nicht aus dem vorauszusetzenden Alter des Königs erklären darf; nicht der Vater, sondern Hiluge wagt es, der geflohenen Hildina harte Worte nach dem PFalle des Jarl zuzurufen, derselbe Hiluge, der einst die offene Abweisung geduldig ertragen hat! Hiluge tritt wieder offen mit seiner Freierei hervor, unterstützt durch die Bitten des Königs. Gegen Hiluge und sein Geschlecht richtet sich die Rache der Hildina. Somit ist Hiluge im ersten Teil der Ballade dem König, der Hildina und dem Jarl gegenüber Nebenperson, im zweiten Teil dagegen ist er zusammen mit der Hildina Hauptperson; und während der König im ersten Teil als Gegner der Hildina und des Jarl dasteht, hat er im zweiten Teile diese Rolle an Hiluge abgegeben und ist zur Nebenperson geworden. Ein solcher Wechsel in der Auffassung derselben Persönlichkeiten ist schwer erklärlich bei ungestörter Fortentwicklung einer Sage, dagegen erklärt er sich leicht bei der Annahme, dals die Person des Hiluge von aulfsen an die Sage herangetreten ist, d. h. durch Kontamination zweier Sagen. Die Hilugesage, von der ein wesentlicher Bestandteil der oben dargelegten Auseinandersetzung zufolge in dem zweiten Teil der Ballade erhalten ist, mag so gelautet haben:„Hiluge ist unglücklich in der Bewerbung um eine schöne Jungfrau, da diese einen anderen Helden liebt. Voller Ingrimm besteht er den glücklichen Nebenbuhler im Kampf, erschlägt ihn und wirft das blutende Haupt mit heftigen Worten der unglücklichen Jungfrau zu Fülsen. Diese sinnt auf furchtbare Rache. Sie erklärt sich bereit, den Hiluge zum Manne zu nehmen, bei dem Hochzeitsmahle mischt sie in den Wein einen Schlaftrunk. Als alle in Schlaf. versunken sind, steckt sie das Gästehaus in Brand. Hiluge erwacht noch einmal und fleht um Rettung; aber die Jungfrau weist ihn mit ebenso harten Worten, wie er sie einst gebraucht hatte, zurück und lälst ihn in der Lohe umkommen.“ Wie kam es, daſs diese Sage mit der Hildesage verbunden wurde? Als die unendliche, allnächtliche Geisterschlacht wegen des Christentums unmöglich wurde, verlor die Hildesage


