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der Verfasser des Sörla thättr den Schluſs ab und benutzte die so umgebildete Sage zu einer Verherrlichung des Christentums auf Kosten des Heidentums. Er verband demgemäfs mit ihr— vielleicht veranlaſst' durch die Erwähnung des Brisingamen in den nordischen Liedern(vgl. den Bericht der jüngeren Edda) — die Erzählung von dem hälslichen Handel der Freyja mit den Zwergen und mit Odin, bei welchem die Buhlerei der einst hochverehrten Göttin und die Grausamkeit des Allvaters, der um einer elenden Sache willen zwei unschuldigen Menschen langwährende, qualvolle Pein schafft, geradezu Abscheu erregen. Um aber den Kampf als reine Folge dieses Götterhandels hinstellen zu können, bedurfte es einer Umänderung der überlieferten Gestalt der Hildesage. In dieser war der gewaltige Kampf motiviert durch die unversöhnliche Gewaltthätigkeit des Hagen und die Schuld und das Unrecht, welches Hilde und Hedin an Högni begangen hatten. Blieb diese Motivierung erhalten, so war die Absicht des Umarbeiters, die Götter als Urheber einer furchtbaren Qual für unschuldige Menschen hinzustellen, nicht erreicht. Es wurde deshalb Freyja oder vielmehr eine Dienerin der Freyja, die Walkyrie Göndul, in Gestalt einer Zauberin(s. Völ. 24) in die Hildesage eingeführt. Sie sucht zuerst die beiden Könige durch die Eifersucht zum Kampfe zu reizen; als das nicht gelingt, diese sich vielmehr befreunden, erscheint Freyja-Göndul dem Hedin zum zweiten Male und reicht ihm den Vergessenheitstrank, und als sie damit ihr Ziel erreicht hat, erscheint sie zum dritten Mal in höhnischer Schadenfreude, um Hedin und Högni der furchtbaren Schlacht zu weihen. Wenn auf diese Weise der Unwille gegen die altheidnischen Götter erregt war, so war der Schluls der Erzählung, wo ein christlicher König und ein christlicher Held die Erlösung bringen, entschieden geeignet, das Christentum gegenüber dem Heidentum zu erhöhen ¹). Die Einführung hatte aber zur Folge, dals Hilde, früher eine Hauptperson der Sage, in den Hintergrund gedrängt wird. Während sie einst entschieden Partei für Hedin nahm, steht sie jetzt warnend, klagend und vergebens bittend, ein willenloses Werkzeug des von den Göttern verhängten Geschicks, zwischen beiden Männern; nur darin klingt das Alte vielleicht noch nach, dafs sie gern bereit ist, sich dem Hedin zu vermählen und ihm zu folgen, wenn er nur den Frevel an der Mutter nicht begeht. Auch dem Hedin scheint mehr an der Befriedigung des von den Göttern eingegebenen Gefühles, dem Högni gegenüber überlegen zu sein, als an dem Besitz der Hilde zu liegen, ist er doch nach Befreiung von dem Zauber der Göndul sofort bereit, diese herauszugeben. Der groſsartige Zug endlich, wonach Hilde den Vater, den Gatten und ihre Mannen allnächtlich zum Kampf erweckt, ist zusammengeschrumpft dazu, daſs Hilde während des Kampfes, diesem Spiele zuschauend, in einem Haine sitzt und bei Schluls desselben völlig vergessen wird. Aulser diesen grolsen Veränderungen, welche die Sage erlitten hat, sind noch eine Anzahl von minder wichtigen Zügen hinzugedichtet. Der Umstand, dafs der Wikingerfürst Hedin in den älteren Fassungen der Sage kein Land besaſs, erlaubte dem Verfasser des Sörla thättr, ihn nach Serkland, d. i. Sarazenenland in Afrika, zu versetzen; aufserdem erhält er ein treffliches Schiff, den Drachen, der freilich im weiteren Verlauf als Erbstück Högnis von seinem Vater Hälfdan bezeichnet wird, ein Beweis, wie wenig sagenhaft dieser Zug war. Högnis Vater Hälfdan wie seine Gattin mit
¹) Die Einführung der Göndul und die Abänderung des Schlusses erscheinen mithin als notwendige Folgen der von dem Verfasser in die Erzählung hineingetragenen Tendenz. Ich kann deshalb der Ansicht Klees(p. 36) nicht beipflichten, dafs infolge der natürlichen Entwicklung der Sage im Volk die Gestalt der Göndul eingedrungen sei und der Verfasser des Sörla thättr sie schon vorfindend für seinen Zweck benutzt habe. Denn welchen Grund sollte man vor Verbindung der Hildesage mit der Freyjasage gehabt haben, die in ihren Motiven durchaus klare Hildesage durch die Einführung der störenden Göndul zu verunstalten? Ebenso glaube ich nicht, dafs die natürliche, durch das Christentum beeinflufste Entwicklung der Sage aus der unendlichen Schlacht eine solche von 143 Jahren machte; auffallend ist zunächst die Zahl 143, sodann ist zu erwäügen: wenn eine unendliche Schlacht sich mit dem Christentum nicht vertrug, so vertrug sich ebenso wenig damit eine die ungeheure Zeit von 143 Jahren dauernde, in welcher die soeben gespaltenen Leiber der Kümpfenden sich sogleich wieder zusammensetzten.
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