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aufgetreten, wenn sie nach Haey versetzt worden wäre, da jeder Leser gefragt haben würde: wie kommen. die beiden Recken dazu, auf der fernen Insel zu kämpfen? Möxglicherweise hat aber Saxo das ältere bewahrt; der schon in der Edda vorkommende Name(vgl. p. 4) Hedinsey deutet offenbar auf eine Beziehung des Hedin zu dieser Insel hin, die vielleicht in der dort ausgekämpften Hjadningenschlacht zu suchen ist, und erst der später entwickelte Verkehr zwischen Norwegen und den Orkaden würde die Insel Haey in die Sage gebracht haben. Bemerkenswert ist der bei Saxo scharf ausgeprägte Unterschied in den Charakteren des Hagen und Hedin. Während bei Snorri nur eine gewisse Versöhnlichkeit den Hedin vor Högni auszeichnet, schreibt Saxo dem letzteren einen gewaltigen Körperbau und eine solch berserkerhaftem Wesen entsprechende jähzornige Gemütsart zu, dem Hedin dagegen erteilt er eine schöne aber zarte Gestalt, wohl deshalb, weil man unwillkürlich eine versöhnlichere, friedfertigere Gemütsart eher in einem zarter gebauten als berserkerhaften Körper sucht. Dafs dem christlich-historisierenden Mönche die allnächtliche Geister- schlacht am Schlusse des Mythus nicht anstehen konnte, ist selbstverständlich. Bei der allgemeinen Bekanntschaft dieses die Phantasie mächtig erregenden Zuges wagte er jedoch nicht denselben völlig zu tilgen; aber wenn er sagt, man erzählt, Hilde habe ihren Gatten so sehr geliebt, daſs sie allnächtlich die Toten wieder auferweckte, so bezeugt er seinen Unglauben gegenüber solch heidnischem Gerede. Der Gewohnheit der christlichen Geistlichen, die altheidnischen Götter und Göttinnen als Teufel, Zauberer und Hexen hinzustellen, entspricht es auch, daſs er die Wiedererweckung der Gefallenen als durch Zauberlieder vollzogen erklärt.
Wenn die Untersuchung bis hierhin die Existenz der Hildesage bei den skandinavischen Völkern für die Zeit vom 8.—13. Jahrhundert darthat, so legt von ihrem weiteren Fortleben in diesen Ländern Zeugnis ab der sogen. Sörla thättr, eine jener späten isländischen Sagen, die zwar vielfach an die alte Volkssage anknüpfen, dieselbe aber mit einem phantastischen, oft tendenziös gefärbten Gewand umhüllen. Im 14. Jahrhundert entstanden, wurde sie in Verbindung mit der Gläfssaga Tryggvasonar zwischen 1370 und 1380 in die Flateyjarbök aufgenommen(vgl. Symons Kudrun p. 8 und Anm. 3). Der Inhalt des Sörla thättr ist folgender ¹):
Freyja, Odins Geliebte, stellt vier Zwergen ihre Schönheit zur Verfügung, um das kostbare Brisingamen zu bekommen; Odin erfährt von diesem schmählichen Handel und läfst das Halsband durch Loki stehlen. Er will es der Freyja nur dann zurückgeben, wenn sie zwei mächtige Könige zu solcher Feindschaft reize, dafs sie sich in ewig unversöhnlicher Schlacht bekämpfen, die erst dann ein Ende erreichen solle, wenn ein christlicher Held Zeuge des Kampfes werde und sie erschlage. Nun war Högni durch Besiegung Sörlis des starken(davon hat die Erzühlung den Namen) zu grofser Macht gekommen: er herrschte über Dänemark und die Ostlande, 20 Könige sind ihm unterthan. In Serkland herrschte Hedin, der Sohn des gewaltigen Königs Hjarrandi; auch ihm waren 20 Könige unterthan. Einmal im Winter zog er in den Wald und kam allein auf einen freien Platz. Da safs eine grofse schöne Frau auf einem Stuhle. Sie nannte sich Göndul und fragte ihn nach seinen Thaten. Er erzühlte ihr und fragte sie dann, ob sie einen König kenne, der ihm gleich sei an Macht und Tüchtigkeit. Sie antwortete, sie wisse einen, der heifse Högni und habe auch 20 Könige unter sich und wohne in Dänemark. Hedin sagte, das wolle er sehen, wer von ihnen der tüchtigere sei. Dann scheiden sie von einander. Im Frühling machte sich Hedin mit 300 Männern und einem Drachen auf und fährt den ganzen Sommer und Winter, bis er im Frühjahr nach Dänemark kommt. Als Högni seine Ankunft erfuhr, lud er ihn zu einem Gelage ein. Beim Trunk sagte ihm Hedin, dals er gekommen sei, sich mit ihm zu messen. Am anderen Tag versuchten sie sich in jeder Fertigkeit, aber keiner konnte den andern überbieten. Da schworen sie sich Blutsbrüderschaft und Gütergemeinschaft zu. Hedin war jung und ledig, Högni etwâs älter und hatte zum Weibe Hervör, die Tochter Hjörvards, des Sohnes Heidreks, des Sohnes UIfhamrs. Sie hatten eine sehr schöne Tochter Hildr mit Namen; Högni liebte seine Tochter sehr; denn er hatte sonst keine Kinder mehr. Högni zog einmal in den Wald, und Hedin bewachte sein Reich; eines Tages geht er in den Wald und trifft jenes wunderbare Weib wieder. Sie bietet ihm aus einem Horn zu trinken, und als er getrunken, konnte er sich nicht mehr erinnern, was früher vorgegangen war. Darauf fragte sie ihn, ob er Högnis Tüchtigkeit
¹) Vgl. Klee p. 31— 34.
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