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in der Aufzüählung angedeutet wird, durch die Erwähnung des Vada dicht hinter Hagen und Hedin eine gewisse Berührung der Hilde- mit der Watesage oder wenigstens die Existenz beider Sagenkreise ih denselben Gegenden angedeutet wird ¹).
b. Bei den skandinavischen Völkern.
Die Zeit, für welche die allgemeine Bekanntschaft der Hildesage bei den nordischen Völkern vorauszusetzen ist, wird— wenigstens ungefähr— ersichtlich aus der Anspielung auf dieselbe, die sich im zweiten Lied von Helgi, dem Hundingstöter, findet(vgl. Klee, zur Hildesage p. 25). Als Sigrun ihren Vater und ihren Bruder erschlagen sieht, erfafst sie trotz des Leides, welches jene ihr anthun wollten, bittres Weh. Sie bricht in Thränen aus, Helgi tröstet sie mit den Worten:
Weine nicht, Sigrun, du warst uns Hilde, Nicht besiegen Fürsten ihr Schicksal.
Sie sprach:
Beleben möcht ich jetzt, die Leichen sind;
Aber zugleich im Arme dir ruhn. (Simrock, die Edda Helgakv. III, 27, 28.)
Zur Zeit der Abfassung dieses Liedes mufs die Sage durchaus volkstümlich gewesen sein; denn eine so knappe Anspielung auf die Wiedererweckung der Leichen durch Hilde war nur erlaubt, wenn der Verf. des Liedes voraussetzen durfte, dafs seine Hörer jene Sage augenblicklich in ihrem Gedächtnis zur Vergleichung heranziehen konnten. Nun erklärt zwar Symons(Paul u. Braune, Beiträge IV, 166) die prosaischen Teile des zweiten Helgiliedes für sehr späte Produkte, den poetischen aber schreibt er ein hohes Alter zu: so darf wohl angenommen werden, dals im 8. Jahrhundert(und in dieses setzt P. E. Müller die Mehrzahl der Eddalieder), die Sage von Hilde und Hedin bei den skandinavischen Völkern verbreitet war, falls nicht mit Lüning(Einltg. zur Edda p. 7) dem zweiten Liede von Helgi, dem Hundingstöter, ein noch höheres Alter zuzuweisen ist.
In welcher Form war die Sage behandelt?
Die Untersuchungen über die Volksepen haben zu dem Ergebnis geführt, dals die Sagen ursprünglich in balladenartigen Einzelliedern verbreitet wurden. Während das Vorhandensein solcher Lieder für die altnordische Göttersage, für die Helgi-, Sigurd- und Burgundensage durch die Lieder der älteren Edda bewiesen wird, sind die auf die Hildesage bezüglichen Lieder verloren gegangen. Ihre frühere Existenz wird aber bezeugt dadurch, daſs Snorri sich ausdrücklich auf die Lieder als seine Quelle bezieht, sagt er doch am Schlusse seines Berichtes: In den Liedern heifst es, daſs die Hjadninge so fortfahren bis zur Götterdämmerung. Auch machen die Verhandlungen, welche Hilde und Hedin vor dem Kampf mit Högni führen, in ihren scharf pointierten Reden und Gegenreden und der überaus lebhaften Darstellung den Eindruck, als ob sie fast wörtlich aus einer Dichtung herüber genommen wären. Enadlich zitiert Snorri selbst das Bruchstück eines Liedes, welches der Skalde Bragi der Alte verfafst haben soll nach bildlichen Darstellungen, die sich auf einem ihm von Ragnar Lodbrok geschenkten Schilde befanden. Der allgemeine Inhalt der im einzelnen recht dunkelsinnigen Verse ist der: die zauberkundige Hilde stillt die blutenden Wunden und bietet ihrem Vater ein Halsband zur Sühne an. Högni aber weist die Versöhnung zornig zurück, und die Schlacht beginnt aufs neue. Mag dies Lied von Bragi zu Anfang des 9. Jahrhunderts verfalst
¹) Ueber das zweite Zeugnis für die Existenz der Hildesage bei den Angelsachsen, welches man gewöhnlich in dem Gedichte„Deörs Klage“ findet, siehe Exkurs I.


