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Benehmen gegen Warnachar zu ſchwerem Unheile. Dieſer war, bei Gelegenheit des Einfalles Chlothars im Jahre 613, mit Alboin nach Auſtraſien geſendet worden, um die überrheiniſchen Schaaren zu Hülfe zu rufen. Da erhält Alboin plötzlich ein Schreiben Brunichildens mit dem Befehle, den Warnachar umzubringen. Al⸗ boin zerreißt den Brief, deſſen Stücke Warnachar fand, zuſammenſetzte und, nachdem er ſo Kenntniß von dem
Inhalte gewonnen, den Abfall beſchloß und die Völker auf Chlothars Seite brachte.¹) Selbſt den Fall geſetzt, daß die Erzählung, ſo abenteuerlich ſie auch klingt, wahr und nicht erſt in ſpäterer Zeit zur Beſchönigung des Abfalles Warnachars und der Großen erfunden worden ſei, ſo läßt ſich doch manches zur Entſchuldigung Brunichildens anführen. Die Großen gingen offenbar mit Verrath um, und bezüglich Warnachars iſt dieß durch das beſtimmte Zeugniß Fredegars feſtgeſtellt..) Wenn nun die Königin erſt nach der Abreiſe War⸗ nachars hiervon Kunde erhielt und der Verſchwörung das Haupt zu nehmen trachtete, ſo handelte ſie ganz dem Rechte und der Klugheit gemäß und hatte ſogar die Geſſtze der Franken für ſich, von denen die Ripuarier, obgleich ſie für ſonſtige Vergehen die Todesſtrafe nicht kennen, doch Untreue gegen den König mit dem Tode belegen.³) Nach der üblichen Weiſe die Edlen zu einem Placitum zuſammenzurufen, war bei der Lage der Verhältniſſe nicht thunlich, da es den augenblicklichen Abfall derſelben herbeiführen mußte, und deßhalb umging Brunichilde das gewöhnliche Rechtsverfahren, wie dieß damals und zu anderen Zeiten öfter vorkam,¹) und beſchloß den Tod des Warnachar, ohne zu bedenken, daß ein Mißlingen ihres Anſchlages dem eigenen Un⸗ tergange gleich kam. Wenn darum eine Schuld auf die Königin fällt, ſo theilt ſie ſie mit Warnachar, deſſen treuloſes Verfahren mit gleichen Waffen bekämpft werden mußte.
Pflegte hiernach Brunichilde der ihr zugefügten Beleidigung eingedenk zu ſein, ſo barg ſie auch in ihrem Herzen warme Liebe für ihre Freunde und Getreuen und ſtand dieſen in allen Lagen und Gefahren des Lebens treu zur Seite. Als ihr Anhänger Lupus auf den Punkte ſteht, von ſeinen Gegnern vernichtet zu werden, wirft ſie ſich hoch zu Roß zwiſchen die Schaaren der Streitenden und beſchwört ſie vom Kampfe abzulaſſen, und obgleich der übermüthige Urſio ſie mit dem Tode unter den Hufen der Pferde bedroht, läßt ſie nicht ab von ihrem Beginnen und rettet für dießmal wenigſtens dem Lupus das Leben.) Ihr Haus iſt Flüchtigen und Schutzflehenden nicht verſchloſſen, und unter anderen findet auch Waddo, der Hausmeier der Königin Rigunthe, der wegen ſeiner Betheiligung bei dem Gundobaldiſchen Aufſtande verfolgt wurde, gaſtliche Aufnahme und wird, reich beſchenkt, entlaſſen.²) Selbſt gegen bittere Feinde, die zu ihrem und ihres Sohnes Sturz ſich verſchworen, hegt ſie verſöhnliche Geſinnung und ſucht den Bertefred von der Gemeinſchaft mit Urſio und Rauching abzuziehen, weil ſie ſeine Tochter aus der Taufe gehoben und darum gnädig mit ihm verfahren wollte.?) Zu ſeinem Unglück hielt Bertefred das den Genoſſen gegebene Wort und wurde ſpäter in einer Kapelle, in welche er ſich geflüchtet, geſteinigt. Waren aber ihre Getreuen den Nachſtellungen der Feinde erlegen, ſo rächt Brunichilde ihren Tod, wie wir an dem Beiſpiele des Protadius ſehen. Freilich ſoll ſie mit dieſem in Unzucht gelebt und darum ſeine Ermordung ſo ſchwer geſtraft haben.8) In wie weit
¹) Fred. c. 40.
²) Vergleiche p. 9, Anm. 4..
³) Lex Rip. tit. 69,§ 1. Si quis homo regi infidelis exstiterit, de vita componat, et omnes res ejus fisco censeantur.
4) Man denke an das gegen Wallenſtein eingehaltene Verfahren.
5) Hist. Franc. 6, 4.
6) Hist. Franc. 7, 43.
*) Hist, Franc. 9, 9. Filiam Bertefredi ex lavacro regina susceperat et ob hoc misericordiam de eo habere voluit. Bertefreds Tod iſt 9, 12. geſchildert. Vergleiche p. 6.
8) Fred. 24. Anno nono regni Theuderici nascitur ei filius de concubina, nomine Corbus. Cum jam Pro- tadius vehementer veneraretur et Brunichildis ztupri gratia eum vellet honoribus exaltare, Protadius patri- cius ordinatur. Vergl. p. 8.


