Aufsatz 
Die Frankenkönigin Brunichilde
Entstehung
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bezeichnet.) Wie feſt der Verdacht bei ihm eingewurzelt war, geht übrigens daraus hervor, daß er den Childebert vor der Mutter warntez) und ſich nicht ſchämte in Brunichildens Namen ſelbſt Briefe an Gun⸗ dobald zu ſchreiben, um dieſen zu einer Antwort zu verleiten,³) daß er ferner die Geſandten, welche an Ri⸗ chared den Schild überbringen ſollten,*) anhalten und vergeblich nach Papieren durchſuchen ließ. Da trotz dieſes der Würde eines Königs wenig angemeſſenen Verfahrens keine Anhaltspunkte zu einer Verurtheilung beigebracht werden konnten und Brunichilde außerdem ſich durch einen Eids) von der Anklage reinigte, ſo iſt anzunehmen, daß der ſchwache Gunthramm nur durch das Gerede der Großen ſeines Hofes zu dieſem Vor⸗ gehen gegen ſeine Schwägerin verleitet worden ſei, das er ſpäter vielleicht gern ungeſchehen gemacht haben würde. Es war für Brunichilden ein Unglück, daß ſie den Franken ſtets eine Fremde blieb und ſich die Sympathien derſelben nicht zu erwerben wußte. Der Adel beobachtete ſie beſtändig mit Mißtrauen und Ei⸗ ferſucht und trat ihr mit Uebermuth und offener Feindſchaft entgegen.) Wenn ſie daher ſpäter, nachdem ſie unter Theoderich in den Beſitz der Regierung gelangt war, ihre Feinde beſeitigte, ſo iſt ihr dieß um ſo weniger zu verdenken, als ſie, den fortwährenden Nachſtellungen derſelben ausgeſetzt, ſtets für ihr Leben zu fürchten hatte und mit der Vernichtung der Gegner nur einen Act der Nothwehr vollbrachte. Aber, wie vortheilhaft erſcheint hier ihre Handlungsweiſe gegenüber der der Feinde! Nicht auf geheimem Wege, mit Gift oder dem Dolche des ſchleichenden Mörders, verfolgt ſie die auserſehenen Opfer, ſondern läßt, unbekümmert um den ihr daraus erwachſenden Haß, die Schuldigen offen ergreifen und, wenn es in ihrer Macht ſteht, mit dem Leben für die ihr zugefügte Beleidigung büßen. So wurden auf ihren Befehl getödtet der Herzog Quintrio und der Patricius Aegila; der letztere, weil ſein Reichthum ihre Habſucht gereizt habe.) Es iſt dieſes derſelbe Calumnioſus Aegila, welchen Gunthramm nach ſeinem erfolg⸗ und ruhmloſen Zuge gegen die Weſtgothen des Amtes entſetzte, indem er ſeine Statthalterſchaft an Leudegiſel übertrug.s8) Hatte ſchon damals Gunthramm Urſache zur Unzufriedenheit, ſo muß inzwiſchen noch manches hinzugekommen ſein, was Brunichildens Erbitterung in ſo hohem Grade erregte, daß ſie ſeinen Tod verlangte. Die Erwähnung ſeines Reichthums läßt vermuthen, daß er ſich auf Koſten der Krone bereichert und dafür ſeine Strafe gefunden habe, denn Beiſpiele von Habſucht ſind ſonſt in Brunichildens Leben nicht aufzufinden. Was Gogo anlangt, der auf ihren Antrieb von Sigibert hingerichtet worden ſein ſoll,) ſo ſind wir in der Lage, die Falſchheit der Nach⸗ richt nachweiſen zu können. Da nämlich Gogo nach Gregor 6, 1. erſt im ſechſten Jahre der Regierung König Childeberts geſtorben iſt, ¹⁰) ſo hat er den Sigibert um fünf Jahre überlebt und kann unmöglich auf deſſen Befehl getödtet worden ſein. Iſt daher Brunichilde von dieſer That freizuſprechen, ſo gereichte ihr doch ihr

¹) Vergleiche p. 6, Aum. 5.

2) Hist, Franc. 7, 33. Tunc eum(Childebertum) obtestatur Gunthramnus, ne ad matrem accederet, ne forte aliquis daretur aditus, qualiter ad Gundovaldum scriberet aut ab eo scripta susciperet.

3) Hist. Franc. 7, 34. Eo tempore Gunthramnus rex misit litteras ad Gundovaldum ex nomine Brunichildis reginae..... Seripserat enim haec dolose, ut de eo plenius, quid ageret, posset agnoscere.

4) Vergleiche p. 6,

) Hist. Franc. 9, 32. Multi ad hunc conventum properantes de via regressi sunt, pro eo, quod Brunichildis regina se ab hoe crimine exuit sacramentis. Gemeint iſt die Verſammlung der Biſchöfe, welche über Brunichil⸗ den wegen ihrer Verbindung mit Gundobald richten ſollte.

6) Vergleiche p. 4, 5, 7, 9.

7) Fred. 21. Aegila patricius, nullis culpis exstantibus, instigante Brunichilde, ligatus interficitur, nisi tantum cupiditatis instinctu, ut facultates ejus fiscus adsumeret.

8) Hist. Franc. 8, 30. Fred. 5.

9) Hist. Franc. Epit 59.(Gogonem) Brunichildis continuo apud Sigibertum facit odiosum ipsumque, suo in-

stigante consilio, Sigibertus interfecit. ¹0) Hist, Franc. 6, 1. Anno igitur sexto regni sui Childebertus rex cum Chilperico conjunctus est. Non post

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multum tempus Gogo moritur, in cujus locum Uvandelinus subrogatur.