Aufsatz 
Die Frankenkönigin Brunichilde
Entstehung
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April des Jahres 614 ihr unglückliches Daſein. ¹) Chlothar II. aber herrſchte nach ſolcher Gräuelthat über das vereinigte Frankenreich. Wenn es ſchon für die Geſchichte der merovingiſchen Zeit überhaupt zu beklagen iſt, daß das Werk Gregors von Tours mit dem Jahre 591 ſchließt, ſo iſt dieß für den vorliegenden Stoff um ſo bedauerns⸗ werther, als wir in demſelben eine wichtige Quelle verlieren und für die letzte Zeit von Brunichildens Leben auf den angeblichen Fredegar und den Verfaſſer der gesta regum Francorum angewieſen ſind, deren Glaub⸗ würdigkeit in vielen Punkten eine ſehr geringe iſt.) Zwar iſt ihnen durchaus nicht die Abſicht zuzuſchrei⸗ ben, Thatſachen entſtellen zu wollen, aber bei ihrem Mangel an kritiſchem Urtheile erzählen ſie die Ereigniſſe nach, wie ſie ſie gehört haben, ohne die Autorität ihres Gewährsmannes zu prüfen, und da ſie, die unter Königen aus der Nachkommenſchaft Fredegundens lebten und ſchrieben, bezüglich Brunichildens aus dem Munde der Feinde ſchöpften, ſo iſt es kein Wunder, wenn dieſelbe in ungünſtigem Lichte bei ihnen erſcheint. Brunichildens Unglück begann mit dem Tode der Galeſvintha. Nach der Sitte der Zeit liegt ihr die Pflicht ob, die Schweſter zu rächen,³) und obſchon ihr beſſeres Gefühl ſich ſträubte,*) wagte ſie doch nicht den Ge⸗ wohnheiten ihres Volkes entgegenzuhandeln. Durch das andauernde Mißgeſchick wird ihr Rachegefühl bis zur Leidenſchaft geſteigert, die ſich in dem Blute der Feindin zu ſättigen ſucht. Da aber die Gegner mächtig ſind, ſo kann Brunichilde nur zum Ziele gelangen, wenn ſie im Beſitze einer überlegenen Macht iſt, und indem ſie ſich dieſelbe zu verſchaffen ſucht, wird ſie herrſchſüchtig und dadurch den einem Weiberregimente abgeneigten Franken noch mehr verhaßt. Als ſpäter Fredegunde geſtorben, iſt es die Liebe zu den Enkeln, die Gewohnheit, welche ſie den Beſitz der höchſten Gewalt wünſchen und darin ihre Freude finden läßt, und während ſie den Urenkeln den Königsthron ungeſchmälert erhalten will, wird ſie ein Opfer des Adels, der ſich auf Koſten der Krone bereichern und von ihr unabhängig zu machen ſtrebt. Gregor von Tours, welcher 25 Jahre lang mit ihr in enger Verbindung geſtanden hat, weiß nichts Nachtheiliges von Brunichilden zu berichten, und nur Gunthramm iſt es, der ſich bei ihm öfter über ſie beklagt und ſie im Verdacht hat, ihm nach dem Leben zu ſtreben. Bei dem Charakter Gunthramms und dem Umſtande, daß Gregor, der doch bei an⸗ deren Mordverſuchen ſo genau berichtet, ſich hier mit der bloßen Erwähnung begnügt, iſt anzunehmen, daß der Herrſcher Burgunds, oft wechſelnd in ſeiner Zuneigung wie in ſeinem Haſſe, der Eingebung des Augen⸗ blickes oder den Einflüſterungen ſeiner Großen gefolgt ſei und eine Beſchuldigung vorgebracht, für welche alle Beweiſe fehlten. Die Verbindung mit Gundobald, die er Brunichilden vorwirft, widerlegt ſich ſchon dadurch, daß Gundobald ſeine Pläne ebenſowohl gegen Childebert als gegen Gunthramm gerichtet hatte und Brunichilde ſich unmöglich gegen ihren Sohn verſchworen haben kann, weil auf dieſem allein ihre eigene Sicher⸗ heit beruhte. Iſt daher ſchon aus dieſem Grunde die Sache unwahrſcheinlich, ſo wird ſie noch zweifelhafter, wenn wir erwägen, daß auch der Fredegunde ganz dasſelbe nachgeſagt wurde,5) und daß Gunthramm bald verſichert, Brunichilde habe Gundobald heirathen wollen, bald Gundobalds Sohn als den von ihr begehrten Gatten

¹) Fred. 42. Brunichildem per triduum diversis tormentis adfectam jubet(Chlotharius) prius camelo per omnem exercitum sedentem perducere, post haec coma capitis, uno pede et brachio ad vitiosissimf equi caudam ligare, ibique calcibus et velocitate cursus membratim disrumpitur. Bezüglich des angegebenen Da⸗ tums vergleicheRuinart col. 1396.

2) Vergleiche hierüberPertz, Geſchichte der merovingiſchen Hausmeier p. 152, 153.

³) Beiſpiele der Blutrache laſſen ſich bei Gregor viele auffinden, wie: 3, 6. 7, 47. 9, 19. 10, 27. In 7, 21. ſchreibt Gun⸗ thramm, quod non modo ipsum(den Eberulf, welchen Fredegunde als Mörder Chilperichs angegeben hatte), verum etiam progeniem ejus in nonam generationem deleret.

4) Daß ihr die Blutrache zuwider war, geht aus Gregor 9, 19. hervor, wo ſie Beſtrafung des Chramniſind verlangt, der in der Blutrache den Sichar erſchlagen hat, und wenigſtens die Einziehung von deſſen Gütern bewirkt.

5) Hist. Franc. 7, 39. Ferebant enim plerique ob hoc Cuppanem transmissum, ut si Gundovaldum reperisset vivum, multis inlectum promissionibus ad eam(Fredegundem) transduceret.*