8 hielt.!) Zunächſt mußten die Fortſchritte Chlothars gehemmt werden. Die Bruͤder rückten daher vereint gegen ihn in das Feld, nahmen ihm die von Fredegunden eroberten Länder, ſchlugen ihn darauf dei Doromellum und zwangen ihn ſein Gebiet bis auf 12 Gaue an ſie abzutreten.*)
Jetzt erhob Brunichilde das Haupt ſtolz und mächtig empor, aber nur, um bald deſto tiefer zu fallen. Sie richtet ihr Streben auf die Stärkung der königlichen Macht und die Demüthigung des trotzigen fränkiſchen Adels, zieht ſich aber gerade dadurch viele Feinde zu, daß ſie die gefügigeren Burgunder zu den höchſten Stellen befördert und ihren angeblichen Buhlen Protadius zum Hausmeier in Theoderichs Palaſte macht. Ihr im Wege ſtehende Große, wie der Herzog Quintrio und der Patricius Aegila, werden getödtet, und die Energie des Protadius wußte ihren Befehlen Gehorſam zu verſchaffen. Schweren Kummer ver⸗ urſachte ihr übrigens das Verhältniß mit Theodebert. Dieſer, bei aller Rohheit und Gewaltthätigkeit geiſtig wenig begabt,³) hatte eine Sclavin Brunichildens, Belichilden, zum Weibe, welche ihrer ehemaligen Herrin den Rang ſtreitig machte und ſie ſogar mit Schimpfreden belegte. Der Streit der Weiber uͤbertrug ſich auf die Männer, indem Theoderich für die Großmutter eintrat; eine Zuſammenkunft, um den Zwiſt beizulegen, wurde von Brunichilden großmüthig verwilligt, aber Belichilde erſchien nicht. Als Theoderich darauf zum Kriege gegen den Bruder rüſtete, zu welchem beſonders Protadius auf Befehl der Brunichilde getrieben haben ſoll, ſo benutzten die Edlen die günſtige Gelegenheit, den läſtigen Hausmeier aus dem Wege zu räumen. Es wurde das Gerücht ausgeſprengt, daß er es ſei, welcher den Bürgerkrieg wünſche, und das wüthende Volk beſchloß den Kampf in ſeinem Blute zu erſticken und tödtete ihn in ſeinem Zelte. Theoderich hatte zwar den Uncilinus abgeſendet, um ihn zu ſchützen, aber dieſer ruft dem wilden Haufen zu:„Unſer Koͤnig befiehlt den Protadius zu tödten“, für welchen faſt einer Verhöhnung gleichkommenden Ungehorſam ihn Brunichilde mit dem Verluſte eines Fußes und ſeines Vermögens, für die Sitte der Zeit, nicht zu ſchwer üßen läßt.¹) Auch der Patricius Vulfus, der den Tod des Protadius mitherbeigeführt hatte, verlor das Leben, Hausmeier aber wurde der Römer Claudius, ein Mann von Geiſt und Bildung, jedoch ohne Kraft und Entſchloſſenheit, und darum dem Adel weniger furchtbar.
Durch den Tod des Protadius war der Einfluß Brunichildens zwar vermindert, aber keineswegs gebrochen worden. Theoderich, der Sinnenluſt ergeben, überließ ihr die Regierungsgeſchäfte und ging dem Vergnügen nach. Von Nebenweibern hatte er vier Söhne, ließ jedoch 607 um Erminberta, die Tochter des Weſtgothenkönigs Witterich von Spanien, werben, was die Großmutter nicht gern geſehen haben ſoll, weil ſie durch eine Gattin aus ihrer Stellung gedrängt zu werden fürchtete. Als daher ſchon nach einem Jahre Theoderich ſein Weib, der Mitgift beraubt, nach Spanien zurückſchickte, ſo ſchrieb man dieß ſeiner Schweſter Theudelana und der Brunichilde zu, welche Erminberta bei ihm verhaßt gemacht hätten.?) Auch die Steini⸗ gung des Biſchofs Deſiderius von Vienne und die Vertreibung des heiligen Columban ſollen auf Bruni⸗ childens Antrieb erfolgt ſein.
Unterdeſſen hatte ſich das geſpannte Verhältniß der beiden Brüder nicht nur nicht gelöſt, ſondern die Feindſchaft war durch manche Umſtände noch vergrößert worden. Der länderſüchtige Theodebert war ploͤtzlich in das Gebiet ſeines Bruders eingefallen und hatte ſich des Elſaſſes bemächtigt.“) Die Edlen der
¹) Fred. 19. Eo anno Brunichildis ab Austrasi'’s ejecta est et in Arciacensi Campania a quodam homine paupere singula reperitur. Secundum ejus petitionem ipsam ad Theudericum perducit. Theudericus aviam suam libenter recipiens gloriose habuit.
²) Fred. 20.
3) Fred. 35. Belichildis— ziwpſleltatem Theudeberti heneste comportans. Fred. 88. Leonisius— odiens stultitiam Theudeberti.
4¹) Fred. 27. 28. 29.
5) Fred. 30. Instigantibus verbis Brunichildae aviae et Theudelanae germanae efficitur odiosa.
6) Fred. 37. 38.


