Aufsatz 
Die Frankenkönigin Brunichilde
Entstehung
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entzweit und im Zorne gegen ihn Childebert zu ſeinem Erben eingeſetzt. Faſt um dieſelbe Zeit ſtarben die zwei Söhne der Fredegunde an der Peſt,¹) und ſo war Hoffnung vorhanden, daß Childebert dereinſt das ganze Frankenreich unter ſeinem Scepter vereinigen würde. Dieſe Ausſicht benutzten die Edlen Urſio, Ber⸗ tefred und der Biſchof Egidius, um ihn zu einem Bunde mit Chilperich gegen Gunthramm zu bewegen, der eben erſt dem Neffen einen Beweis ſeiner Liebe gegeben hatte, und Brunichilde beſaß zu wenig Einfluß, um die Verbindung des Sohnes mit ihrem Todfeinde hindern zu können. Der Jammer und das Elend des nun begonnenen Krieges waren ſo gewaltig, daß das Volk in ein allgemeines Murren ausbrach und den Childebert nöthigte der unnatürlichen Verbindung zu entſagen und die mißliebigen Großen von ſeinem Hofe zu entfernen, von denen der Biſchof Egidius nur mit Mühe der Wuth des Heeres entfliehen konnte.²) Dem Chilperich war inzwiſchen ein Sohn geboren worden, der nachmals den Namen Chlothar erhielt, aber er ge⸗ noß die Vaterfreude nicht lange und wurde, als er in tiefer Nacht von der Jagd zurückkehrte, in der Nähe von Chelles ermordet.3) Wer die That vollbracht, iſt nicht zu ermitteln; der nächſte Verdacht fiel auf Fre⸗ degunden, die ihrerſeits die Schuld auf den Oberkämmerer Berulf wälzte.) Die gesta regum Francorum, 35. beſchuldigen Fredegunden geradezu des Mordes und berichten, daß ſie, auf CEhebruch mit einem gewiſſen Landerich ertappt und Strafe fürchtend, den Gatten beſeitigt habe. Von anderer Seite wurde Bruni⸗ childe als Anſtifterin der That angeſehen,s) aber das Schweigen Fredegundens, welche gewiß nicht zur Schonung der Feindin geneigt war und ſchon um ihrer ſelbſt willen mit Freuden die Gelegenheit ergriffen haben würde, dieſe anzuklagen, wenn nur der leiſeſte Schein eines Verdachtes auf ſie fallen konnte, beweiſt am beſten, daß Brunichilde an dieſem Verbrechen keinen Antheil hat. Am wahrſcheinlichſten dürfte daher Chilperich das Opfer einer Privatrache geworden ſein, zu der ſein Leben viele Veranlaſſung gegeben haben mag. Jedenfalls war Fredegundens Lage eine höchſt gefahrvolle, weil Childebert, vielleicht auf Brunichildens Antrieb, ihre

Auslieferung verlangte und ſie ohne die Einmiſchung ſeines Oheims Gunthramm auch durchgeſetzt haben 3 würde. Dieſer, von Natur gutmüthig, nahm ſich der Schwägerin und ſeines unmündigen Neffen an, hob den letzteren, nachdem Fredegunde mit 300 Eideshelfern beſchworen, daß er wirklich ein Sohn Chilperichs ſei, über die Taufe und bewirkte, daß ihn die Neuſtrier als König anerkannten. Fredegunde erhielt ein Aſyl auf dem Hofe Rueil bei Rouen; ihren Sohn Chlothar verſprachen die Großen ſorgfältig zu erziehen. Aber das Leben in der Zurückgezogenheit war nicht nach ihrem Geſchmacke; es kränkte ſie, daß Brunichilde jetzt mächtiger ſei, und daher beſchloß ſie ſich ihrer durch Mord zu entledigen. Ein Geiſtlicher übernahm das Geſchäft, führte ès aber nicht zu Ende und wurde auf Befehl der zürnenden Gebieterin der Hände und Füße beraubt.²) Brunichildens Lage war übrigens immer noch eine ſehr gedrückte: ſchutzlos ſah ſie ſich den Schmähungen der fränkiſchen Großen, beſonders des Gunthramm Boſo,!) preisgegeben und wurde von allen mit Mißtrauen betrachtet, ſo daß ſelbſt Gunthramm, ihr Schwager, ſich vor ihr zu fürchten begann, jedoch mit t Gottes Hülfe ihren Nachſtellungen zu entgehen hoffte.)) Auch das Geſchick der Tochter Ingunde machte

¹) Hist. Pranc. 5, 85.

²) Hist. Franc. 6, 31.

³) Hist. Franc. 6 46. Chilpericus, Nero nostri temporis et Herodes, ad villam Calensem venationes exercet. Quadem vero die regressus de venatione, jam subobscurg nocte, dum de equo susciperetur et unam ma- num super scapulam pueri retineret, adveniens quidam eum cultro Peroott sub ascellam, iteratoque ietu ventrem ejus perforat.(a. 584.)

Hist. Franc. 7, 7. 14. 21. Hist. Franc. Epit. 93. Chilpericus ab homine, nomine Fälcone, qui missus a Brunichilde fuerat, est interfectus.

Hist. Franc. 7, 20. Hist. Franc. 9, 8. Nam cum rex Childebertus esset junior,(Gunthramnus Boso) Brunichildem reginam

saepe conviciis atque improperiis lacessibat: sed et injuriis, quae ei ab adversis inferebantur, fautor ex-

stiterat. ³) Hist. Franc. 8, 4.