Aufsatz 
Die Frankenkönigin Brunichilde
Entstehung
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ſein ſcheint. ¹) Die alte Geliebte, Fredegunde, machte bald ihre Rechte auf ihn geltend; Galeſvintha, zurück⸗ geſetzt und gekränkt, bat den König ihre Schätze zu behalten, ſie ſelbſt aber nach Spanien zu entlaſſen. Umſonſt ſuchte ſie Chilperich zu beruhigen, endlich, ihrer Bitten müde, ließ er ſie durch einen Diener erdroſ⸗ ſeln und nahm, nachdem er die Todte wenige Tage beweint, Fredegunden abermals zum Weibe. Brunichildens Glück wurde durch dieſen plötzlichen Tod der Schweſter für immer vernichtet. Die Lehren des Chriſtenthums waren noch nicht ſo tief in das Herz der gothiſchen Prinzeſſin gedrungen, daß ſie dem Gebote der heimiſchen Sitte, welches ihr die Beſtrafung der Mörder zur Pflicht machte, ungehorſam zu ſein vermochte. Wie verletzend es auch für ihren Stolz geweſen ſein muß, daß Galeſvintha durch ein Weib niederen Standes aus dem Herzen des Gatten verdrängt wurde, ſo würde ſie doch dieſe Kränkung um ihres Gemahles Sigibert willen ertragen haben; den Mord der Schweſter aber, als deſſen Anſtifterin ihr Frede⸗ gunde erſchien, konnte ſie, wenn ſie nicht die Achtung ihres Volkes verlieren wollte, unmöglich ungeahndet laſſen. So wenig daher Oreſtes vor dem Muttermorde zurückſcheut, um den Vater zu rächen, ſo wenig fürchtet Brunichilde die Folgen ihres entfetzlichen Vorhabens, mag auch die ihr zugefügte Beleidigung das Unglück einer ganzen Nation nach ſich ziehen. Auf die eigene Kraft angewieſen, denn ſie hatte um dieſe Zeit ihren Vater Athanagild verloren,²) mußte ſie zu Mitteln ihre Zuflucht nehmen, die ſonſt dem Charakter des Weibes fremd ſind, und aus der Stille des häuslichen Lebens auf die Pfade einer ſtürmi⸗ ſchen Politik geriſſen, bewegte ſie ſich bald mit ſolcher Sicherheit auf dem ihr anfangs fremden Gebiete, daß die Geſchicke des Frankenreiches auf das engſte in das ihrige verflochten ſind und ihre Geſchichte nicht von der ihrer Zeit zu trennen iſt. Da um 567 auch Charibert geſtorben war, ſo gab die Theilung ſeines Rei⸗ ches zu Streitigkeiten Veranlaſſung, die von Brunichilden auf alle Weiſe gefördert wurden, um einen Krieg hervorzurufen, der für ſie ein Rachekrieg werden ſollte. Umſonſt ſchrieb Germanus, Biſchof von Paris, um das drohende Unheil abzuwenden,3) umſonſt verſuchte die heilige Radegunde den Frieden aufrecht zu erhalten, Brunichilde treibt den Gemahl zum Kampfe und iſt auf keine Weiſe zur Schonung zu bewegen. Gun⸗ thramm, der Herrſcher Burgunds, vereinigte ſich zuerſt mit Sigibert, aber wankelmüthig in ſeinen Entſchlüſſen trat er bald auf Chilperichs Seite. Sigiberts Land wird von den vereinigten Heeren der Brüder furchtbar verwüſtet, ſo daß Gregor von Tours meint, damals habe mehr Jammer in den chriſtlichen Kirchen ge⸗ herrſcht, als zu den Zeiten der Verfolgungen Dioeletians.*) Der auſtraſiſche König ruft jetzt die jenſeits des Rheines wohnenden Völker zu Hülfe, und Chilperich, voll Furcht, es möge der Bürgerkrieg das Fran⸗ kenreich zu Grunde richten, bittet um Frieden und gibt die eroberten Städte wieder zurück. Damit waren die überrheiniſchen Schaaren, die beſonders die Hoffnung auf Beute ſo raſch herbeigeführt hatte, ſehr unzu⸗ frieden; ſie verheerten die Gegend um Paris auf das furchtbarſte und konnten von Sigibert nur mit Mühe zur Rückkehr bewogen werden.) Kaum waren ſie abgezogen, ſo ſchloß der unruhige Chilperich abermals mit Gunthramm einen Bund gegen Sigibert. Wieder kamen die auſtraſiſchen Mannen nach Paris, wo ihr König mit Gattin und Kindern zuſammentraf. Chilperichs Leute waren inzwiſchen des Krieges müde geworden und ſchickten, weil ſie die Hoffnung auf Sieg aufgaben, eine Geſandtſchaft zu Sigibert und luden ihn ein nach Tournay zu kommen, damit ſie ihn zu ihrem Könige erheben könnten. Sigibert folgt ihrem ¹) Hist. Franc. 4, 28. Golesuintha a Chilperico magno amore diligebatur. Detulerat enim secum magnos thesauros. ²) Hist. Franc. 4, 38. Ergo, ut ad historiam recurramus, mortuo apud Hispaniam Athanagildo rege, Leuva eum Leuvieldo fratre(a. 567.) regnum accepit. Vergleiche auch Hist. Franc. Epit. 63. ) Der Brief des Germanus an Brunichilde findet ſich bei Ru'nart col. 1343 4 ¹) Hist. Franc. 4, 48. Fuit illo in tempore pejor in ecclesiis gemitus quam tempore persecutionis Diocletiani. ) Hist. Franc. 4, 50. Sed ille(Sigibertus), ut erat intrepidus, ascenso equo ad eos dirigit eosque verbis le- nibus demulsit, multos ex eis postea lapidibus obrui praecipiens.

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