Aufsatz 
Über Rousseau's Emil
Entstehung
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Drittes Buch.

Emil vom zwölften bis fünßzehnten Lebensjahre.

21. Wiſſenstrieb.

Die Wißbegierde wird nun bei dem Knaben rege. Die Welt, That⸗ ſachen müſſen dieſelbe befriedigen, nicht Bücher.

22. Aſtronomie.

Man führe den Zögling des Morgens, Mittags und Abends hinaus in die freie Natur, laſſe ihn den verſchiedenen Standpunkt der Sonne beobachten un darüber grübeln, wie die Sonne aus dem Weſten nach dem Oſten zurück⸗ ehrt.:

23. Geographie.

In der Geographie gehe man vom Hauſe aus. Um die Himmelsgegenden zu finden, verirre man ſich ſcheinbar in einem Walde. Nur der Compaß, den der Erzieher bei ſich führt, erlöſt aus der unangenehmen Lage. Auf ähnliche Weiſe werden die Grundlagen zur Phyſik und Chemie gelegt. Dabei ſchließt man ſich immer an Vorfälle des Lebens an.

24. Robinſon.

Robinſon Cruſoe ſt das einzige Unterrichtsbuch, welches dem Knaben in die Hände gegeben werden ſoll. Robinſon, auf ſeiner Inſel allein, ohne alle Hülfsmittel, mußte Rouſſeau allerdings als ein Ideal ſeiner Erziehungs⸗ weiſe erſcheinen. Man ſollte faſt meinen, dieſes Buch habe ihm die Idee zu ſeinem Erziehungswerke gegeben.

25. Werkſtätten.

Der Knabe lerne das Entſtehen des Handelsweſens kennen. Eine Kunſt ſoll er nicht lernen, ſondern ein Handwerk. Natürlicherweiſe! Die Kunſt iſt nichts in Rouſſeau's Augen.

26. Emil im fünfzehnten Lebensjahre.

Emil gibt Par nichts auf Autorität. Dem Gedächtniß übergiebt er nur das, was er ſelbſt klar durchdacht hat. Er ſchreitet langſam, aber ſicher vorwärts. Was der Tod iſt, weiß er noch nicht. Er hat alle Tugenden, die ſich auf ihn allein beziehen, ſomit noch keine, die ihn zur menſchlichen Geſellſchaft in Be⸗ ziehung ſein. Er hat einen kräftigen Körper und gewandte Gliedmaßen. Ohne Jemandes Ruhe zu ſtören, lebt er zufrieden, glücklich und frei, ſo viel es ihm die Natur erlaubt.