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Ideen belebt wird, auf den moͤchte folgende ſchoͤne Stelle aus J. A. L. Richter's mehrmal angefuͤhrter Schrift ihre volle Anwendung finden:
„Alle alten Weiſen forderten den Menſchen auf, die Natur zu ſtudiren, und in ihr die unſichtbare Gottheit zu finden; aber die neueren Weiſen wiſſen es beſſer. Was ſoll der Gelehrte mit der Naturgeſchichte? wozu ſoll er Thiere, Pflanzen und Steine kennen? Das Alles gibt keine geiſtigen Ideen, das feſſelt nur an die Erde und ihre Formen, das iſt nur dem zu wiſſen noͤthig, der irgend einen Gebrauch fuͤr das irdiſche Leben davon machen kann. Seltſame Behaup⸗ tung! Der, dem die Kenntniß der Natur keine Ideen einfloͤßt, der in den Ge⸗ ſtalten der Materie nicht den unſſchtbaren Geiſt ahnet, der darin waltet, deſſen Seele von keinen anderen, als irdiſchen Gefuͤhlen ſich ergriffen fuͤhlt, wenn er die Reize des Fruͤhlings, die Farbenpracht der Blumen, das regſame Leben der Thiere, den melodiſchen Geſang der Voͤgel, das Rieſeln des Baches, den Wo⸗ genſturz des Bergſtromes wahrnimmt, der keinen Gott und keine geiſtige Na⸗ tur anerkennt, wenn er, mit der Kraft des Mikroscops bewaffnet, das tau⸗ ſendfarbige Gefieder des Schmetterlings, den Samenſtaub der Pflanzen, den Goldſchiller des Kaͤfers, das Auge der Fliege, den unendlich kuͤnſtlichen Bau aller Organe des thieriſchen und Pflanzenkoͤrpers bewundert: ein ſolcher Menſch wird auch in allen Schriften der Hellenen und Roͤmer nichts weiter, als todte Buchſtaben, eine Zuſammenſetzung von Toͤnen erblicken. Er wird Woͤrter zer⸗
liedern, Conſtructionen aufloͤſen, Lesarten ſammeln, uͤber dieſe und jene Kleinig⸗ heiten bogenlange Abhandlungen ſchreiben, aber der Geiſt, der in jenen Werken wehet, wird ſeiner Seele unhekannt voruͤbergehen. Wer aber den Geiſt der Alten zu fuͤhlen verſteht, wer nicht uͤber der Huͤlle den Kern vergißt, dem wird auch das Studium der Natur kein irdiſches, ſondern ein geiſtiges Geſchaͤft ſein, der wird, wenn er ſich demſelben nicht entzieht, ſich bald zu dem Geſtaͤndniſſe ge⸗ zwungen fuͤhlen, wie weit heller und reiner hier fuͤr den Duͤrſtenden die Quelle fließe, wie ſelbſt die Meiſterſtuͤcke der Alten nur darum ſo ſchoͤn und lebenskraͤf⸗ tig ſind, weil ſie Geburten jenes innigen Gefuͤhls fuͤr die Natur und eines Sinnes waren, der ihre Sprache zu deuten wußte.“


