Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
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Theilen als ein Heiligthum Gottes erſcheinen; auch das kleinſte Weſen wird er als ein nothwendiges Glied des großen Ganzen hochachten; wie das Leben an ſich, ſo wird er alles thieriſche Leben heilig halten. Zweckmaͤßige Belehrung uͤber die Erzeugniſſe und Erſcheinungen der Natur muß das Kind mit Liebe und Bewunderung gegen Alles, was ein Werk der Natur heißt, erfuͤllen, ſo bei der Jugend den leider! ſo haͤufigen Ausbruͤchen des Muthwillens, der Rohheit nnd Grauſamkeit, welche nicht ſeiten die unſchuldigſten, ja die nuͤtzlichſten Gegenſtaͤnde der Natur mit Verletzung und Zerſtoͤrung bedrohen, vorbeugen, und insbeſondere die fuͤr den Charakter ſo aͤußerſt verderbliche Thierquaͤlerei verhindern und un⸗ terdruͤcken. Sollte dieſe Milde und Sanftmuth des Gefuͤhls, welche Naturkennt⸗ niß der Jugend einzufloͤßen geeignet iſt, in Verbindung mit jenen erhabenen Ideen, womit ſie ihr Gemuͤth zu erfuͤllen vermag, fuͤr ihre moraliſche Bildung gleichgiltig ſein? oder ſollte nicht vielmehr die ganze Stimmung ihrer Empfin⸗ dung und Handlungsweiſe dadurch veredelt werden? Herder wenigſtens ſagt in dieſer Beziehung:»Ich bin uͤberzeugt, daß durch das Studium und den Geſang der Natur der menſchliche Geiſt erweitert, das menſchliche Herz unſchuldiger, ruhiger, wohlthaͤtiger werde. Die Thierliebe, welche Naturkenntniß dem Gemuͤthe einfloͤßen muß, und welche bei zweckmaͤßig geleiteter Anlegung zoologiſcher Sammlungen recht gut beſtehen kann, hat auf die Veredelung des Charakters einen entſchiedenen Einfluß.« Das Kind lerne alles thieriſche Leben heilig halten, jedes, auch das unvernuͤnftige; und kennt denn uͤberhaupt das Kind ein anderes? Leibnitz ſetzte ein Thiercheu, das er lange angeſehen hatte, ungetoͤdtet auf das Blatt zuruͤck. Die ſtoiſche Schule ſprach aus: Wer einen Hahn ohne allen Anlaß toͤdtet, bringt ebenſo gut ſeinen Vater um. Die aͤgyptiſchen Prieſter hielten es fuͤr unheilig, ein Thier zu toͤdten, ausgenommen zum Opfern. Hierin liegen alle Gebote der Lebens⸗ achtung. Alles Thiertoͤdten geſchehe nur nothwendig, wie Opfern, zufaͤllig, eilig, unwillkuͤhrlich, vertheidigend. Jean Paul.»Thierliebe hat, wie Mutterliebe, noch die Vorzuͤge, daß ſie fuͤr keinen Vortheil der Erwiederung und noch weni⸗ ger des Eigennutzes entſteht, und zweitens, daß ſie jede Minute einen Gegen⸗ ſtand und eine Uebung findet. Derſelbe.»Die Humanitaͤt zeigt ſich auch in der Behandlung thieriſcher Weſen, man koͤnnte ſagen, der ganzen lebendigen und lebloſen Natur.« Niemeyer. Was derfelbe in ſeiner Paͤdagogik ebenſo ſchoͤn, als treffend, uͤber dieſen wichtigen Gegenſtand der Erziehung ſagt, wird zur Ge⸗ nuͤge zeigen, wie auch in dieſer Ruͤckſicht der naturwiſſenſchaftliche Unterricht dazu beitraͤgt, die Keime edler Humanitaͤt in dem Gemuͤthe der Jugend zu entfalten, und ſo zur Erreichung des hoͤchſten Schulzweckes mitwirkt.

Daß auch die naturgeſchichtlichen Excurſionen wohlthaͤtig auf die Geſinnungs⸗ und Handlungsweiſe der Jugend einzuwirken vermoͤgen, davon iſt ſchon oben, wo von der Nothwendigkeit derſelben als eines weſentlichen Huͤlfs⸗ mittels des naturgeſchichtlichen Unterrichtes die Rede war, geſprochen worden.

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