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tzen der goͤttlichen Liebe zu unterwerfen? Das Studium der Natur muß in dem Menſchen mehr, als das irgend einer andern Wiſſenſchaft das Bewußtſein der Wuͤrde und Groͤße ſeines geiſtigen Weſens erwecken, muß ihn uͤberzeugen, daß er das Ebenbild Gottes in ſich traͤgt, und ihn ſo mit der Nothwendigkeit durch⸗ dringen, ſich durch ſeine Geſinnungen und Handlungen auf dieſem hohen Stand⸗ punkt ſeiner geiſtigen Natur zu behaupten. Wenn der Naturforſcher uͤberall ſteht, wie die Thiere nie von der ihnen angewieſenen Bahn abweichen, ſondern immer den Zweck ihres Daſeins erfuͤllen, ſo muß ihm daraus ein neuer Antrieb wer⸗ den, auch ſeiner Seits dahin zu ſtrebeu, daß er das Ziel ſeines Daſeins erreicht. Aber das Studium der Natur muß ihn zugleich zu der Ueberzeugung fuͤhren, daß der Zweck ſeines Daſeins nicht, wie der des Thieres hienieden erfuͤllt wer⸗ den kann, daß ſein Leben uͤber dieſe Erde hinausrxeicht, daß ſein Geiſt einer hoͤ⸗ heren Beſtimmung entgegenreift, daß ſein irdiſches Daſein und Wirken nur eine Vorbereitungsſtufe dazu ſein kann.
Sowie die Kenntniß der Natur uns die Wuͤrde des Menſchengeſchlechts er⸗ lernen und ſchaͤtzen lehrt, ſo lernen wir dadurch auch die unſerer Mitmenſchen achten, weil wir in jedem das Meiſterſtuͤck deſſelben Organismus, dieſelbe Be⸗ rufung zu einer hoͤheren Sphaͤre erkennen. Je tiefer aber der Menſch in das Studium der Naturwiſſenſchaft eindringt, deſto inniger muß er fuͤhlen, deſto deut⸗ licher muß er einſehen, wie er, trotz der Hoͤhe ſeines Standpunktes, doch ſo ab⸗ haͤngig von einer hoͤheren Macht und Einſicht iſt, wie mangelhaft doch trotz der Hoͤhe ihrer Ausbildung die Naturkenntniſſe noch immer ſind und bleiben werden, wie wenig ſelbſt die geprieſenſten Werke der menſchlichen Kunſt die Schoͤpfun⸗ gen der Natur zu erreichen vermoͤgen. Sollten ſolche Betrachtungen nicht geeig⸗ net ſein, uns zur Demuth vor Gott und zur Beſcheidenheit vor den Menſchen zu ermahnen, und uns vor anmaßendem Stolze und vor uͤbermuͤthiger Erhebung uͤber unſere Mitmenſchen zu warnen? Die Natur ſehen wir uͤberall ihre Wohl⸗ thaten mit der groͤßten Freigebigkeit, mit der gleichſten Vertheilung allen Ge⸗ ſchoͤpfen ſpenden. Dieſes ſollte uns eine Mahnung werden, auch hierin der Natur als unſerem Vorbilde zu folgen.»Natur, wenn wir dich kennen und lie⸗ ben, ſo lieben wir unſere Mitmenſchen waͤrmer, und wenn wir ſie betrauern oder vergeſſen muͤſſen, ſo bleibſt du bei uns, und ruheſt vor den naſſen Augen, wie ein gruͤnendes, abendrothes Gebirge.“ Jean Paul.
Wie den Naturforſcher bei ſeinem oft ſo muͤhevollen Streben nicht eigen⸗ nuͤtzige Selbſtſucht leitet, ſondern das reinſte, uneigennuͤtzigſte Intereſſe an ſeinen Forſchungen und Studien begeiſtert, und wie Naturſtudien auch aus dieſem Grunde einen wohlthaͤtigen Einfluß auf den Character aͤußern, daruͤber will ich einen Naturforſcher unſerer Zeit reden laſſen.»Einen dritten Werth dieſes Studiums, ſagt Agardh in ſeinem Lehrbuch der Botanik, aus dem Daͤniſchen uͤberſetzt von Meyer, muͤſſen wir in ſeinem moraliſchen Einfluſſe auf die Bildung des Cha⸗ racters ſuchen. Der Egoismus faͤllt bei der aͤchten Naturforſchung weg. Dis


