Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
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roͤßten und kleinſten ſeiner Werke ſich ihnen als den Weiſeſten und Liebevoll⸗ ſen zeigt, wie er uͤberall als ihr ſorgſamſter und zaͤrtlichſter Vater erſcheint; ſie werden es fuͤhlen, daß ihr Vaterland noch ein anderes ſei, als dieſe Erde, daß es noch eine hoͤhere Gluͤckſeligkeit gibt, als die, welche irdiſche Freuden gewaͤh⸗ ren, daß es eine Froͤmmigkeit und Heiligkeit gibt, die unmittelbar aus dem Schooße der Gottheit ſelbſt fließt.« Richter in ſeinen Betrachtungen uͤber den Zweck der Erziehung und des oͤffentlichen Unterrichts. d

Mit wahrer religioͤſen Bildung ſteht die ſittliche in der engſten und un⸗ mittelbarſten Verbindung, und ſchon aus dieſem Grunde kann der Naturkennt⸗ niß eine wohlthaͤtige Einwirkung auf die Geſinnungs- und Handlungs⸗ weiſe des Menſchen nicht abgeſprochen werden. Da man nun in der Herab⸗ ſetzung des naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts ſo weit gegangen iſt, daß man ihm ſogar einen nachtheiligen Einfluß auf die Moralitaͤt der Jugend vorgeworfen hat, ſo moͤchte es nicht unzweckmaͤßig ſein, bei dieſer, wie bei der vorigen Seite der Naturkenntniß etwas laͤnger zu verweilen. Dieſer ſegensreiche Einfluß, welchen der naturwiſſenſchaftliche Unterricht auf das Gemuͤth und die Handlungs⸗ weiſe des Menſchen zu aͤußern vermag, verdient um ſo mehr hervorgehoben zu werden, da man nicht ſelten Lehrer der Jugend bei ihrem Unterrichte von dem verderblichen Grundſatze geleitet ſieht, daß der Hauptzweck des wiſſenſchaftlichen und ſprachlichen Unterrichtes auf der Gelehrtenfchule materielles Wiſſen und ma⸗ terielle Fertigkeit und daneben intellectuelle Bildung, die moraliſche und religiöſe aber ausſchließlich Sache des Religionsunterrichts ſei. Auf dieſen verkehrten Wahn deuten folgende Worte Schillers hin:

Sie geben, ach! nicht immer Glut

Der Wahrheit helle Strahlen. 1 Wohl denen, die des Wiſſens Gut

Nicht mit dem Herzen zahlen!

Wie ſehr waͤre es zu wuͤnſchen, daß ſich auf den Unterricht der Gelehrten⸗ ſchulen immer die Worte des Dichters anwenden ließen: Didieine fideliter ar- tes emollit mores nec sinit esse feros. Die folgende Auseinanderſetzung nun moͤge zeigen, in wie fern man berechtigt iſt, auch in dieſer ſo aͤnßerſt wichtigen Beziehung, die Naturkunde den uͤbrigen Lehrgegenſtaͤnden der Gymnaſien und Paͤdagogien voͤllig gleich zu ſtellen. 25

Muß gruͤndliche Naturkenntniß nicht ſchon dadurch, daß ſie das Gemuͤth des Menſchen mit Bewunderung, Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit gegen den Schoͤp⸗ fer, Erhalter und Regierer der Natur erfuͤllt, ihn zugleich zum Gehorſam gegen das Sittengeſetz auffordern, welches Gott jedem Menſchen in das Herz geſchrie⸗ ben hat? Und wenn der Kenner der Natur uͤberall in ihren Werken und Thaͤ⸗ tigkeiten Vollendung und Geſetzmäͤßigkeit herrſchen ſieht, muß ihm dieſes nicht eine Aufforderung und ein Beiſpiel ſein, nach derſelben Vollendung und Geſetz⸗ maͤßigkeit in ſeinen Handlungen zu ſtreben, und ſeine Freiheit den ewigen Geſe⸗