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ſerer Seits die Werke der Natur als ein Mittel zur Erweiterung und Belebung religioͤſer Gefuͤhle und Ueberzeugungen, zumal bei dem Unterrichte und der Er⸗ ziehung der Jugend, zu benutzen? Und wie moͤchte es ſich rechtfertigen laſſen, dieſes wichtige Mittel zur Bildung und Veredelung des Gemuͤths dem Jugend⸗ lehrer zu entziehen? Welchen wohlthätigen Eindruck die Beobachtung der Na⸗ tur auf das religioͤſe Gefuͤhl der gebildeten Voͤlker des heidniſchen Alterthums machte, zeigt, außer den vielen religioͤſen Beziehungen philoſophiſcher Schrift⸗ ſteller auf ihre Erſcheinungen und Erzeugniſſe, beſonders die Mythologie dieſer Voͤlker.(Vergl. J. S. Ch. Schweiggers Einleitung in die Mythologie.) Wie viel ſegensreicher nun muß dieſe Wirkung der Naturkenntniß auf ein durch die Chriſtuslehre erleuchtetes Gemuͤth ſein? Gleich den heiligen Ürkunden dieſer Lehre predigt die Natur die Religion der Liebe, indem ſie uns ihren Schoͤpfer als einen liebevollen Vater nicht allein der Menſchen, ſondern aller Geſchoͤpfe, nicht aller der Erde, ſondern zahlloſer Welten kennen lehrt. Naturkenntniß aber bewahrt uns, wie vor frivolem Unglauben, ſo vor finſterem Aberglauben, Fana⸗ tismus, Sektengeiſt und Intoleranz, alſo vor den traurigen Verirrungen und Entartungen des religioͤſen Gefuͤhls und Glaubens, welche in der juͤngſten Ver⸗ gangenheit mit allen ihren fuͤr Familie, Staat und Kirche gleich verderblichen Folgen mehr oder weniger faſt alle Staaten Europas bedrohet haben. Die Be⸗ ſorgniß, welche man nicht ſelten hat aͤußern hoͤren, durch Naturkunde werde der Glaube an die Wahrheit der poſitiven Lehren des Chriſtenthums erſchuͤttert und religioͤſer Indifferentismus befoͤrdert, wird dem, welcher wahrhaft chriſtliche Re⸗ ligioſttaͤt von ſinſterem Myſticismus und intoleranten Fanatismus zu unterſchei⸗ den weiß, als durchaus unbegruͤndet erſcheinen. Denn das glaͤubige Gemuͤth des Chriſten wird ſelbſt in den Geſtalten und Erſcheinungen der Sinnenwelt ſeine hoͤheren Ueberzeugungen, ſeine erhabenſten Wuͤnſche und Hoffnungen wieder finden. Was ein großer Genius der Deutſchen von der Sternkunde ſagt, das gilt von der ganzen Naturkunde:»Sie gibt dem Menſchen ein erhabe⸗ nes Herz, und ein Auge, das uͤber die Erde hinausreicht, und Fluͤgel, die in die Unermeßlichkeit heben, und einen Gott, der nicht endlich, ſondern unendlich iſt.⸗ So muß die Unermeßlichkeit des Weltalls in Raum und Zeit den Naturforſcher zum Gefuͤhl der Unendlichkeit des Hoͤchſten, der erhabenen Beſtimmung des Menſchen, ſeiner Verwandtſchaft mit dem Urgoͤttlichen hinreißen. Wenn er ſich aber durch ſeine Studien zur Ueber⸗ zeugung gedrungen fuͤhlt, daß ſo Vieles in der Sinnenwelt, deſſen Exiſtenz und Wirken ihm ſeine Sinne darthun, doch kein Verſtand der Sterblichen zu begreifen und zu erklaͤren vermag; ſollte dieſe Erfahrung nicht geeignet ſein, ihn auch in ſeinem chriſtlichen Glauben und Hoffen da zu ſtaͤrken, wo ſeinem Verſtande nicht vergaͤnnt iſt, den geheimnißpollen Schleier zu durchdringen, mit welchem manche Lehren des Chriſtenthums zu verhuͤllen die goͤttliche Weisheit fuͤr gut fand. Wenn ſich auch unter den Naturforſchern unſerer Tage, wie unter allen Staͤnden, ſolche


