Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
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fuͤhren und ſie ſehen lehren. Einzelne Naturkoͤrper aller Reiche ſollen die Schuͤ⸗ ler ſammeln und ſie ihren Hauptheilen nach ſelbſt beſchreiben. Bei der zuneh⸗ menden Zahl der betrachteten Naturgegenſtaͤnde tritt oͤftere Vergleichung aͤhn⸗ licher ein. Dabei erlernen die Schuͤler die erſten Grundzuͤge der Terminologie. Um auch fuͤr die wiſſenſchaftliche Naturbetrachtung ſchon die erſten Keime zu le⸗ gen, werden den Schuͤlern aͤhnliche Naturkoͤrper derſelben Abtheilung und dane⸗ den noch andere unaͤhnliche vorgelegt, von ihnen mitander verglichen, die aͤhn⸗ lichen in Gruppen vereinigt, und die vor Augen liegenden anderen bekannten, nicht vorhandenen untergeordnet. Schon auf dieſer Stufe aber ſei der Unterricht kein blos formeller, ſondern ſchon hier werde der Grund zu einer geiſtigen und gemuͤthlichen Auffaſſung der Natur gelegt.

Zweite Stufe. Hier ſoll das, was in dem erſten Curſus einzeln und zerſtreut in der Anſchauung gewonnen worden iſt, in Ordnung und ſo zu einem beſtimmten Bewußtſein gebracht, zugleich auch durch Hinzufuͤgung des noch Feh⸗ lenden ergaͤnzt werden. Als Hilfsmittel, um die Anſchaunng zuruͤckzurufen, ſind hier Abbildungen nothwendig; aber es muͤſſen auch ſo oft als moͤglich lebende Naturkoͤrper den Schuͤlern vorgefuͤhrt werden, damit an ihnen das auf der ecſten Stufe erworbene Wiſſen wiederholt, erweitert, befeſtigt und angewendet werde.

Dritte Stufe. Ihre Aufgabe iſt, den auf den erſten Stufen vereinzelt eingeſammelten Stoff zu einem leicht uͤberſehbaren Ganzen zu vereinigen, die Zahl der betrachteten Naturkoͤrper durch noch nie geſehene und außer dem engen Kreiſe der eigenen Anſchauung liegende Glieder zu vermehren und zu vervoll⸗ ſtaͤndigen, und ihre Beziehungen zu einander, zur Erde, zur ganzen Natur, zum Menſchen, zu Gott aufzuſuchen und darzulegen. Hier iſt der Gebrauch von Buͤ⸗ chern auch in den Haͤnden des Schuͤlers zuzulaſſen. Dieſe muͤſſen aber ſo ein gerichtet ſein, daß ſie nicht zu Buͤcher⸗, ſondern zu Naturſtudien fuͤhren. Fuͤr die Botanik ſind Localfloren nothwendig, bei der Mineralogie geognoſtiſche Kar⸗ ten der Umgegend wuͤnſchenswerth. Dabei ſind fleißige, Excurſionen anzuſtellen und Sammlungeu anzulegen, gute Abbildungen daneben aber auch Beduͤrfniß. Die ſyſtematiſche Betrachtung der Naturkoͤrper macht auf dieſer Stufe den An⸗ fang. In der Zoologie gehe aber die Betrachtung des inneren Baues der Thiere dieſem ſyſtematiſchen Unterrichte voran. Hierzu dient die Betrachtung des inne⸗ ren Baues des menſchlichen Leibes nebſt der Phyſiologie deſſelben.

Die Frage, welche von dieſen neueren Methoden der Ver⸗ theilung des naturgeſchichtlichen Unterrichts fuͤr die niedere Ge⸗ lehrtenſchule die zweckmaͤßigſte ſei, wird ſich gruͤndlich nur durch viel⸗ jaͤhrige praktiſche Verſuche und Erfahrungen entſcheiden laſſen. Von großem Einfluſſe aber auf die Wahl der Methode wird auch die Einrichtung der Lehr⸗ anſtalt ſein, namentlich der groͤßere und geringere Reichthum an Hilfsmitteln, welche die Anſtalt dem Unterrichte durch Sammlungen und Bilderwerke gewaͤhret, die groͤßere oder kleinere Stundenzahl, welche der Naturgeſchichte beſtimmt iſt,