Aufsatz 
Über den naturwissenschaftlichen Unterricht in den unteren Klassen der Gelehrten-Schulen oder auf Pädagogien und Progymnasien : 2. Teil
Entstehung
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thode hat man, da ſie gleichſam die hoͤheren Begriffe in niedere aufloͤſet, die analytiſche, die letztere, da ſie umgekehrt die niederen Begriffe in hoͤheren zu⸗ ſammenzufaſſen ſcheint, die ſynthetiſche Methode genannt. Es moͤchte aber, wie Dieſterweg in ſeinem Unterrichtswegweiſer 2 Bd. S. 104 in der Anmerkung darthut, die umgekehrte Benennung zweckmaͤßiger ſein. Derſelbe ſagt in der an⸗ gefuͤhrten Stelle:»Die Bezeichnung dieſer verſchiedenen Lehrgaͤnge mit Namen iſt Nebenſache. Luͤben entwickelt die fort und fort allgemeineren Begriffe durch Abſtraction; ſein Verfahren iſt analytiſch. Die Gegner verfahren in ſo fern auch analytiſch, als alle Merkmale in den zu Grund liegenden Indtvi⸗ duen vorliegen; da aber die allmaͤhlig aufzufaſſenden feineren Merkmale von Anfang an nicht in den Vorſtellungen der Schuͤler ſind, ſo iſt der Fortſchritt in deren Gedankengang, alſo in der That ſynthetiſch. Die Wahrheit dieſer Bemerkung wird um ſo mehr einleuchten, wenn man erwaͤgt, daß in einem nie⸗ deren Begriffe alle hoͤheren, nicht aber umgekehrt in einem hoͤheren alle niederen enthalten ſind. Vergleiche hieruͤber Gabriel's Anthropologie. Vorwort S. XVI. und XVII. Ich folge daher in der Benennung jener zwei Methoden Dieſter⸗ weg, und nenne die erſtere die ſynthetiſche, die letztere die analytiſche.

Die analytiſche Methode hat zuerſt Luͤben in ſeiner Anweiſung zur Pflanzenkunde und ſpaͤter in Dieſterweg's Unterrichtswegweiſer dargeſtellt, und in ſeinem genannten Werke, wie in ſeiner Anweiſung zur Thierkunde und An⸗ thropologie und in ſeinem Leitfaden zum Unterricht in der Naturgeſchichte prak⸗ tiſch durchgefuͤhrt. Die Grundzuͤge dieſer Methode ſind folgende. Der ganze naturgeſchichtliche Unterricht zerfaͤllt nach derſelben in vier Curſe, deren er⸗ ſter Individuen⸗ und Artenkunde, der zweite Gattungskunde, der dritte Familien⸗ und Syſtemkunde iſt, der vierte die Anatomie und Phyſiologie zum Gegenſtande hat, oder von dem innern Baue und der Na⸗ tur der Geſchoͤpfe handelt.

Erſter Curſus. Naturkoͤrper aus allen drei Reichen werden zuerſt nur als Individuen betrachtet und beſchrieben, ſo daß der Unterricht anfangs nur aus einer Anzahl Biographien einzelner Thiere, Pflanzen und Mineralien beſteht. Durch Vergleichung mehrerer verwandten Individuen werden die weſentlichen Merkmale von den zufaͤlligen geſondert, und ſo der Begriff einer Art(Spe⸗ cies) entwickelt. Alsdann erſcheinen die Naturkoͤrper nicht mehr blos als Ein⸗ zelweſen, ſondern werden zugleich nach ihren gemeinſchaftlichen Merkmalen als zu einer beſtimmten Art gehoͤrig aufgefaßt und beſchrieben. Neben der Kenntniß der beſchriebenen Gegenſtaͤnde und der Auffaſſung ihrer Artkennzeichen erzielt dieſer erſte Curſus zugleich Fertigkeit im Benennen und Beſchreiben der Theile eines Naturkoͤrpers, Auffaſſung der allgemeinſten Unterſchiede der Hauptformen aller drei Reiche und Erlernung der wichtigſten Kunſtausdruͤcke. Oeftere Ver⸗ gleichung verwandter Arten und Zuſammenfaſſung derſelben zu hoͤheren Gruppen wird die folgenden Curſe regelmaͤßig vorbereiten. Auf dieſe Weiſe ſoll ſich ſchon